Drama

„Leanders letzte Reise“ im Kino

Richtung Osten – Ein später Trip in die Vergangenheit

Foto: TOBIS

Viel Freude bereitete der in Berlin lebende britische Regisseur Nick Baker-Monteys 2010 mit seinem Langfilmdebüt „Der Mann, der über Autos sprang“. Nun erzählt er eine Geschichte, bei der einen wundert, dass sie im deutschen Film nicht schon öfter erzählt worden ist. Die Prämisse: Welche Auswirkungen hat der Zweite Weltkrieg (und Kriege überhaupt) nicht nur für die Beteiligten, sondern auch für nachfolgende Familiengenerationen? Ein gutmütiger Opa ist Eduard Leander (Jürgen Prochnow) wohl nie gewesen. Nun ist er 92, seine Frau ist soeben gestorben. Doch eine Sache, die muss er unbedingt noch erledigen. Er setzt sich von Berlin aus in einen Zug Richtung Kiew. Eduards Tochter Uli (Suzanne von Borsody) möchte die Reise des greisen Mannes verhindern und schickt ihm ihre Tochter Adele (Petra Schmidt-Schaller) hinterher. Höchst un­freiwillig sitzt die junge Frau plötzlich mit im Zug. Etwas Auf­lockerung bringt unterwegs der Ukrainer Lew (Tambet Tuisk), der sich des ungleichen Paares annimmt. Leander will unbedingt in den umkämpften Osten des Landes. Dieser Mann ist ein Getriebener – von der Vergangenheit als Wehrmachtsoffizier, von der Liebe – und von der Schuld. Indem Baker-Monteys Leanders Reise mit dem Konflikt in der Ukraine verknüpft, stellt er zwar aktuelle Bezüge her, macht es aber dem Zuschauer mit der Fülle der zu verarbeitenden Informationen nicht leicht. Dennoch: ein etwas spröder Film zu einem wichtigen Thema, überzeugend gespielt von dem ungewöhnlichen Dreamteam Prochnow/Schmidt-Schaller.

Leanders letzte Reise D 2017, 107 Min., R: Nick Baker-Monteys, D: Jürgen Prochnow, Petra Schmidt-Schaller, Tambet Tuisk, Suzanne von Borsody, Start: 21.9.

Mehr über Cookies erfahren