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„Let My People Go!“ im Kino

Let My People Go!

Zu schön,um wahr zu sein: so sieht Rubens Alltag aus. Der Briefträger lebt mit seinem Freund an einem malerischen Waldsee in Finnland. Der Franzose und der Finne lieben sich wie am ersten Tag, und wenn Ruben (Nicolas Maury) im Städtchen Briefe ausfährt, dann mit einem Lächeln. Doch ein unglückliches Missverständnis um ein mysteriöses Bündel Euro-Scheine macht die queere Idylle jäh zunichte. Ruben wird vor die Tür gesetzt, schon am Folgetag landet der Liebeskranke wieder im Schoße seiner heillos neurotischen Familie in Paris. Die streng gläubige jüdische Sippe macht nicht gerade einen Hehl daraus, den mädchenhaften, verlorenen Sohn als Loser einzustufen. Nach Art von Wes Anderson malt Debütregisseur Mikael Buch seinen dysfunktionalen Clan aus, erfrischend politisch unkorrekt und schräg ist der Humor, mit dem er den Clash der Lebenskulturen karikiert. Doch die Geschichte wirkt zusehends überladen, derart viele Typen springen aufs exzentrische Figurenkarussel auf. Dass Rubens die im Grunde ernsten Konflikte nicht ganz aus dem Blick geraten, liegt auch an Darsteller Maury, der seinem traurigen Postboten wunderbar tragikomische Züge verleiht.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Pro-Fun Media

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Let My People Go!“ im Kino in Berlin

Let My People Go!, Frankreich 2011; Regie: Mikael Buch; Darsteller: Nicolas Maury (Ruben), Jean-Francois Stevenin (Nathan), Carmen Maura (Rachel); 87 Minuten

Kinostart: 11. Oktober 2012

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