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Let’s Make Money

Wenn Geld wirklich die Welt regiert, wie es immer wieder heißt, dann müsste es eigentlich auch einen Regierungssitz geben. Die Wall Street vielleicht, obwohl alles danach aussieht, dass diese Regierung gerade gestürzt wurde. Vielleicht aber auch ein schwer befestigter Keller unter einer Bank in der Schweiz, in dem all die namenlosen Konten verzeichnet sind, auf denen Diktatoren und Steuerhinterzieher, Oligarchen und Kriegsgewinnler ihre Profite endlagern und weiterwuchern lassen.

Der österreichische Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer hat in „Let’s Make Money“ die Redensweise vom Geld, das die Welt regiert, wörtlich genommen. Er ist dem Geld hinterhergereist und hat dabei versucht, herauszufinden, was unsere globalisierte Gesellschaft im Innersten zusam­men­­hält. Er geht dabei von der zutreffenden Annahme aus, dass zu den bescheidenen Zinsen auf dem Sparbuch irgendwo anders ein Schuldner sein muss, der für diese Zinsen aufkommt und gleich noch für die Profite des ganzen Apparats auch, der dazwischengeschaltet ist und gemeinhin als Kapitalismus bezeichnet wird. Das ist ein großes Wort und vermutlich ein zu großes Thema für einen Film.

Erwin Wagenhofer, der zuletzt mit „We Feed the World“ auch schon sehr erfolgreich den Widersinn der weltweiten Nahrungsmittelproduktion bis in die hintersten Ecken des Globus verfolgt hatte, lässt sich von der Größe des Gegenstandes nicht abschrecken: „Let’s Make Money“ handelt vom Kapitalismus – die gegenwärtige Krise ist im Film schon mitbedacht, ja geradezu prognostiziert. Wagenhofers Methode ist dabei ganz traditionell: Er lässt jene sprechen, die etwas wissen, und er zeigt Orte und Menschen, die betroffen sind. In „Let’s Make Money“ also vorwiegend Arme, die auf der Sollseite des Kapitalismus leben: Baumwollpflanzer in Burkina Faso, Obdachlose im indischen Chennai, Arbeitsmigranten im spanischen Immobilienboom.

Alles hat in der Geldwelt mit allem zu tun, irgendwie. Wagenhofer verfährt selbst nach dem Prinzip des „Irgendwie“. Und er hat ja auch Recht: Die Menschen in Burkina Faso haben ebenso mit dem Kapitalismus zu tun, in erster Linie aber leiden sie darunter, dass reichere Länder ihre eigenen Baumwollproduzenten subventio­nieren und damit den Preis ruinieren. Das ein wenig genauer weiterzuverfolgen wäre eine Geschichte wert. Wagenhofer ist da aber schon bei den Straßenbahnen in Wien (die verkauft und zurückgeleast wurden), er lässt einen „wirtschaftlichen Killer“ von Gold- und Ölstandard erzählen und einen Schweizer Journalisten von Europa als einem Club, der ein Recht hat, hohe Eintrittsgebühren zu verlangen. „Wie lange können wir uns die Reichen noch leisten?“, fragt Wagenhofer in einem Insert zwischendurch. Das klingt nach Agitprop, aber dafür ist „Let’s Make Money“ wieder nicht polemisch genug, und so hängt der Film zwischen Betroffenheit und Unübersichtlichkeit fest und versucht, die vielen Eindrücke irgendwie zu ordnen. Das Geld regiert derweil weiter. Es hat sich wieder einmal davongestohlen.

Text: Bert Rebhandl

Tip-Bewertung: Zwiespältig

Let’s Make Money Österreich 2008; Regie: Erwin Wagenhofer; Farbe, 110 Minuten; Kinostart: 30. Oktober 2008

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