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„Leviathan“ im Kino

Leviathan

Kolja hat Verstärkung aus Moskau geholt. Das ist dringend nötig, denn der mächtigste Mann der Gegend hat es auf ihn abgesehen. Jedenfalls auf sein Haus und seine Werkstatt, ein kleines Anwesen mit tollem Blick auf das Meer. Es ist keine idyllische Gegend, in der Kolja lebt, im hohen Norden Russlands, fast schon mit Blick auf die Arktis.
In „Leviathan“ bekommt man eine nicht nur der geografischen Umstände wegen düstere Schilderung der Verhältnisse im heutigen Russland. Deutlich ist der Film als Parabel ausgelegt, in der das ganze Land wiedererkennbar ist. Die Machtverhältnisse sind auch hier, fern von Moskau, klar. Zuerst kommt der Wille des Oligarchen, dann kommt das Gericht, das für ihn entscheidet, dann kommen die Polizisten, die für Ordnung sorgen. Dann kommt irgendwann Kolja und dann seine Frau, das schwächste Glied in der Hierarchie.
Der Film beginnt damit, dass Dimitri aus Moskau kommt. Ein alter Freund von Kolja, ein beeindruckender Mann, der vorgibt, er hätte gegen den Bürgermeister etwas „in der Hand“. Es läuft also auf eine Machtprobe hinaus, und vielleicht auf einen Film wie im politischen Kino der 70er-Jahre.
„Leviathan“ bezieht seine Inspiration dabei aus einem berühmten Bild für die gebändigte Gesellschaft, wie es auf dem Frontispiz von Thomas Hobbes’ politischem Klassiker verewigt wurde: der Staat als Ungeheuer, in dessen Körper die Einzelwesen wimmeln.
Zvyagintsev geht es nicht um Idealismus, sondern darum, welche Pragmatik sich gegen organisierte Rücksichtslosigkeit durchsetzen kann. Seine familiäre Zelle, die dem wuchernden Staat gegenübersteht, ist dabei äußerst brüchig. Und so kommt in „Leviathan“ das private Leben dem öffentlichen so in die Quere, dass es die Auseinandersetzung um Recht und Gesetz doch stark erschwert. Mit guten Schauspielern und einer Reihe von Überraschungen führt uns Zvyagintsev einmal mit der Macht im Kreis – so viel kann immerhin verraten werden: Am Ende profitiert die orthodoxe Kirche.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Anna Matveeva / Wild Bunch Germany

Orte und Zeiten: „Leviathan“ im Kino in Berlin

Leviathan, Russland 2014; R: Andrey Zvyagintsev; D: Alexei Serebrjakow (Kolja), Elena Lyadova (Lilya), Wladimir Wdowitschenkow (Dmitri); 141 Min.

Kinostart: Do, 12. März 2015

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