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„Liebeslied“ im Kino

Wie ein Bauarbeiter sieht Jan Plewka wirklich nicht aus, wenn er schlaksig und etwas in sich gekehrt auf dem Sofa des Cafй Wendel beim Schlesischen Tor sitzt und mit sanfter Stimme von seinem neuen Film erzählt. Der Sänger der Rockband „Selig“, die sich dieses Jahr nach zehnjähriger Trennung wiedervereinigt hat, wirkt eher wie eine sensible Künstlernatur denn wie der wetterfeste Handwerker, den er in „Liebeslied“ spielt. Das sei auch seine eigene ers­te Reaktion gewesen sei, als die Regisseurin und dffb-Absolventin Anne Hшegh Krohn angefragt habe, ob er in ihrem Film „Liebeslied“ den Zimmermann Roger spielen wolle: „Also ich glaube nicht, dass das was wird, mit meiner Statur“, entgegnete Plewka. Es wurde dann aber doch. In „Liebeslied“ spielen Jan Plewka und Nicolette Krebitz ein junges Ehepaar, dessen Leben aus den Fugen gerät, als der Mann an Parkinson erkrankt. Es ist ein interessantes und experimentelles Werk, in dem Musik eine große Rolle spielt: In Momenten starker Emotionen (oder in Augenblicken des Verstummens) brechen die beiden Protagonisten immer wieder in Gesang aus. Es ist eine Art Musical oder, wie Plewka sagt, „ein protestantischer Bollywood-Film“. Vielleicht steht das „Protestantische“ hier auch für das Traurige des Films, der um eine ausweglose Situation und eine schreck­liche Krankheit kreist. Die Musicalnummern dienen dabei nicht nur dazu, Stimmungen zu untermalen, sondern sie übernehmen mit aufgesetzt fröhlichem Galgenhumor auch so etwas wie den verzweifelten Widerstand gegen die Tragödie.
Für ein solches Unternehmen eignete sich Jan Plewka, wenn schon nicht von seiner Statur her, dann doch schon allein durch seine Karriere als Musiker. Seit der Auflösung von Selig 1999 machte der Sänger in verschiedenen anderen Bands Musik, war mit Rio-Reiser-Liedern auf Tour und hat zuletzt in einer Version von Mo­zarts „Zauberflöte“ in einem Berliner U-Bahnhof als Papageno mitgewirkt. Auch in einigen Filmen spielte er bereits mit; die Hauptrolle in „Liebeslied“ zu übernehmen sei trotzdem eine sehr große Herausforderung für ihn gewesen. „Aber ich dachte, ich stürze mich da jetzt einfach voll und ganz rein. Also wenn schon, dann richtig, und also habe ich auch gesagt, dass ich gerne die Musik machen möchte, um das noch mehr aus mir herauskommen zu lassen. Bei mir muss das alles von innen kommen, ich habe ja keine Schauspielausbildung.“

Lesen Sie den vollständigen Artikel im aktuellen tip 26/09 auf den Seiten 44-45.

Text: Catherine Newmark

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Liebeslied“ im Kino in Berlin

Liebeslied, Deutschland 2009; Regie: Anne Hoegh Krohn; Darsteller: Jan Plewka (Roger), Nicolette Krebitz (Dinah), Levin Henning (Lars); Farbe, 91 Minuten

Kinostart: 10. Dezember

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