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„Life of Pi“ im Kino

Life of Pi

Den 2001 erschienenen Roman „Schiffbruch mit Tiger“ des Kanadiers Yann Martel kann man aus guten Gründen für unverfilmbar halten. Wie soll das gehen, ein junger Mann und ein Tiger auf hoher See und gleichzeitig auf engstem Raum? Ist das nicht ein perfektes Beispiel für ein allegorisches Erzählen, das sich sofort in Widersprüche auflöst, wenn man es konkret nimmt? Der aus Taiwan stammende, schon lange in den USA lebende Ang Lee hat für die praktischen wie für die erzählerischen Probleme nun allerdings eine mehr als überzeugende Lösung gefunden.
Mehr als 200 Tage muss der junge Inder Piscine Molitor Patel, genannt Pi, als Schiffbrüchiger überstehen, mit einem Tiger an seiner Seite, der nur sehr langsam seine Raubtierinstinkte einbüßt. Die ziemlich verquaste Rahmenhandlung, die Ang Lee von Yann Martel auch übernimmt, muss man einfach durchsitzen, denn man wird mit diesen gut neunzig Minuten Erzählzeit, die den Kern von „Life of Pi“ bilden, reich belohnt: ein Spiel der Elemente, für das Ang Lee aus der 3D-Technik und den Möglichkeiten digitaler Nachbearbeitung das Optimum he­rausholt – einen ins Visionäre gesteigerten Realismus, in dem der große Himmel und das unendliche Wasser zu Lebewesen der höheren Art werden.

Text: Bert Rebhandl

Foto: 2012 Twentieth Century Fox

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Life of Pi“ im Kino in Berlin

Life of Pi, USA 2012; Regie: Ang Lee; Darsteller: Suraj Sharama (Pi Patel, 17 Jahre), Irrfan Khan (Pi Patel), Rafe Spall (der Schriftsteller); 127 Minuten; FSK 12

Kinostart: 26. Dezember

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