Gangsterdrama

„Live by Night“ im Kino

In „Live by Night“ muss sich der gute Regisseur Ben Affleck mit dem Schauspieler Ben Affleck herumplagen

Foto: 2016 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved/ Claire Folger

Amerika zur Zeit der Prohibition: Sich außerhalb der bestehenden ­Gesetze zu bewegen, kann auf Dauer ganz schön desillusionierend sein. Als Sohn eines irisch-amerikanischen Polizisten dürfte Joe Coughlin zwar wissen, was Recht und Ordnung ist. Aber der Erste Weltkrieg, bei dem er im fernen Europa gegen die Deutschen kämpfte, hat dem Bostoner den Respekt gegenüber jeglicher Art Autorität ­weitestgehend ausgetrieben. Wieder daheim im Großstadtdschungel verlegt sich der Kriegsveteran darauf, zusammen mit ein paar Kumpels illegale Pokerrunden aufzumischen. Bei einem dieser Coups geraten sie fatalerweise an den Falschen, soll Gangsterboss Albert White ­abkassiert werden. Dem irischen Unterweltler gefällt Joes Unverfroren­heit. So jemanden wüsste White gern an seiner Seite im Kampf gegen die verhassten italienischen Mafiosi des Erzkonkurrenten Maso ­Pescatore.
Joe möchte sich zwar weder auf die eine noch auf die andere Seite schlagen, beginnt aber eine Affäre mit Whites Mätresse Emma. Nachdem die Italiener dies herausfinden und sie Joe damit unter Druck setzen, versucht der solche Erpressungsversuche zu ignorieren. Doch dann läuft einer seiner Coups aus dem Ruder.
Ben Affleck hat erneut eine Romanvorlage des Bestsellerautors ­Dennis Lehane adaptiert. Der lieferte ihm auch schon den Stoff fürs Regie­debüt „Gone Baby Gone“ (2007). Geschichten über Väter und Söhne, über Außenseiter, die ihren Geschäften am Rande der Illegalität nachgehen, haben Lehane und Affleck schon immer interessiert. Doch letzterem fehlt die schauspielerische Klasse eines Jack Nicholson in ­„Chinatown“ oder eines Al Pacino in „Scarface“. Keine gute Entscheidung, sich neben der Regie auch noch die Hauptrolle aufzubürden. Sobald Affleck aus dem Off monologisiert oder stoisch auf der Bild­fläche erscheint, bremst er die hochinteressante Charakterstudie eines Einzelgängers aus, so verblasst auch die Gesellschaftsanalyse der schillernd ausgeleuchteten US-Prohibitionsära. Die restliche Besetzung ist herausragend, der Regisseur Affleck setzt erfolgreich auf eine coole Bildästhetik – und unterhält bestens.

Live by Night USA 2016, 129 Min., R: Ben Affleck, D: Ben Affleck, Elle Fanning, Brendan Gleeson, Sienna Miller, Zoe Saldana, Start: 2.2.

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