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Lola-Festival im Filmtheater am Friedrichshain

Szenenbild aus Die Sekte Deutsche Filmakademie verleiht zum fünften Mal die Lolas, fühlt sich sehr bedeutungsvoll und spricht Film. Denn wenn die Welt feindselig, kalt und verständnislos ist, dann braucht man eine warme, freundliche Zuflucht. Einen Ort, an dem man unter sich sein kann. Selbsthilfegruppe, Sekten und Betreuungsstätten operieren mit diesem Modell. Die Störenfriede einfach mal ausschließen und lediglich auf die eigenen Bedürfnisse eingehen – diesem klösterlichen Retreat-Gedanken hat sich seit gut fünf Jahren auch eine Organisation aus dem einheimischen Kulturleben verschrieben. Die Deutsche Filmakademie, die mittlerweile über 1000 Mitglieder vereint, versteht sich als Auffanglager für geplagte Filmkünstlerseelen, zu dem niemand sonst Zutritt hat. Anders als gewöhnliche Wellness-Oasen dient die Abkapselung der Deutschen Filmakademie aber einem höheren Ziel. So heißt es in der Selbstdarstellung der jungen Akademie: „Für den Erfolg des deutschen Films ist ein Ort, an dem die Filmkünstler unter sich sein können und an dem es um Inhalte geht, unentbehrlich.“
Eine bestechende Argumentation für die In-Crowd. Erstens: Der deutsche Film kann nur dann erfolgreich sein, wenn es einen Ort gibt, an dem die Filmschaffenden unter sich sind. Zweitens: Die Deutsche Filmakademie ist dieser Ort. Daraus folgt drittens: Die Akademie ist der Garant des deutschen Filmerfolgs. Aus dieser Drehtür-Logik ergeben sich wie von selbst die schönsten Aussichten. Zum Beispiel die Sache mit dem Deutschen Filmpreis. Seit 2005 bestimmt die Filmakademie die Lola-Preisträger – und erst seitdem, so die Erfolgsgaranten von der Akademie, „besitzt der Deutsche Filmpreis somit endlich die Bedeutung, die dieser hohen nationalen Auszeichnung zukommt“. Preisträger-Filme aus der Prä-Akademie-Ära (PAÄ) wie „Schtonk„, „Good Bye, Lenin!“ oder „Die Blechtrommel“ werden darum ab sofort als bedeutungslos angesehen.
Zum Zeichen ihres Auserwähltseins spricht die Akademie sogar eine eigene Sprache: „Beständig stärkt die Deutsche Filmakademie kollegiale Beziehungen – Film ist eine universelle Sprache und sollte zwischen ihren Machern gesprochen werden.“ Man spricht Film, Deutsch kann manchmal aber auch nicht schaden. Am 24. April verleiht die Akademie die Lolas in Berlin – hoffentlich dann auf Deutsch, damit wir anderen auch was davon haben.

Text: Volker Gunske

Deutscher Filmpreis Verleihung am Fr 24. April im Palais am Funkturm Berlin; Roter Teppich ab 18 Uhr.

Lola Visionen – Ein Gipfel­treffen mit den Filmemachern. Podiumsrunde mit den Regisseuren Andreas Dresen („Wolke 9“), Uli Edel
(„Der Baader Meinhof Komplex“), Florian Gallenberger („John Rabe“), Caroline Link („Im Winter ein Jahr“), Özgür Yildirim („Chiko“) und dem Produzenten Florian Koerner von Gustorf („Jerichow“), Mo, 20. April, Filmtheater am Friedrichshain, 19 Uhr

Lola-Festival, Filmtheater am Friedrichshain; von Do 16. bis Mi 22. April laufen nominierte Spiel-, Dokumentar- und Kinderfilme. Das genaue Programm finden Sie hier.

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