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„Looper“ im Kino

Looper

Es ist ein ebenso kurzer wie entschlossener Blick. Er reicht, um eine Irritation auszulösen, eine Irritation, die Konsequenzen hat, denn Joe hat gerade den Mann entkommen lassen, den er erschießen sollte. Dafür wird man ihn jetzt zur Rechenschaft ziehen.
Joe ist ein „Looper“, ein Killer in Diensten der Mafia. Denn die hat in der zukünftigen Gesellschaft, die dieser Film entwirft, das Sagen. Ihre Gegner beseitigt sie wie in alten Zeiten, die Hände auf den Rücken gefesselt und mit einer Maske über dem Kopf. Allerdings schickt sie diese so zurück in die Vergangenheit, wo der Looper den schmutzigen Job ausführt und die Leiche anschließend verbrennt. Auf diese Weise hinterlässt die Mafia in der Gegenwart keine Spuren.
„Looper“ ist also ein Science-Fiction-Film, seine Geschichte angesiedelt in den Jahren 2044 und 2077. Das allerdings ist hier eine Zukunft, die nicht mehr so fern scheint und die mit eher einfachen Mitteln ins Bild gesetzt wird. Wer bei Science-Fiction an Raumschiffe oder aber zumindest an den Anblick futuristischer Großstädte denkt, wie sie uns das Kino von „Metropolis“ bis „Blade Runner“ immer wieder präsentiert hat, der kommt hier nicht auf seine Kosten. Stattdessen spielt der entscheidende Teil der Handlung in Kansas, in der amerikanischen Provinz, zwischen Maisfeldern und Windrädern.
LooperAuch in seinem zentralen Erzählmoment verweigert sich „Looper“ den Erwartungen. Als gedankliche Konstruktion eröffnet die Zeitreise alle Möglichkeiten, in dieser Geschichte wird sie jedoch ganz funktional und pragmatisch eingesetzt – eben für die Beseitigung unliebsamer Personen. Verschenktes Potenzial! So werden zumindest Genrefans bemängeln, die von Zeitreise-Geschichten die grundlegende Frage nach der Veränderung des Laufs der Geschichte behandelt sehen möchten, die Manipulation der Vergangenheit, um damit die Gegenwart besser zu machen, ultimativ: die Problematik des Tyrannenmordes (Hitler töten). Dem scheint sich „Looper“ auf den ersten Blick zu verweigern. Als Actionthriller angekündigt, ist die Präsenz von Bruce Willis in einer der beiden Hauptrollen in dieser Hinsicht zumindest eine gewisse Garantie, auch der Trailer verspricht in erster Linie Action.
Die gibt es hier durchaus, aber von jenem Irritation auslösenden Blickwechsel an ahnt der Zuschauer, dass es um mehr geht. Denn der Mann, der Joe gegenübersteht, ist er selbst. Eines Tages, das weiß jeder Looper, muss er sein eigenes Ich aus der Zukunft eliminieren, damit keine Spuren auf seine Auftraggeber verweisen. Aber wen er da getötet hat, erfährt er normalerweise erst, nachdem er es getan und dem Opfer die Maske abgenommen hat. Dieses Mal läuft alles anders, und plötzlich befinden sich der jüngere und der ältere Joe in ein Duell verstrickt, das Regisseur Rian Johnson erzählerisch plausibel macht, auch wenn die Geschichte auf den ersten Blick kompliziert wirkt. Im Schicksal des großartig besetzten Jungen Cid, bei dessen Mutter der junge Joe für eine Weile Zuflucht sucht, spitzt sich die Frage nach der Unumkehrbarkeit der zeitlichen Entwicklung entscheidend zu.
Mit „Brick“, einem Film Noir im Highschool-Milieu, lieferte Regisseur Rian Johnson 2005 ein beeindruckendes Debüt ab, mit dem zwischen Bruderdrama und Gaunerkomödie schwankenden „The Brothers Bloom“ einen eher leichtgewichtigen Nachfolger. Mit „Looper“ kehrt er jetzt zum großen Entwurf, zur verschachtelten Form zurück und präsentiert einen intelligenten Science-Fiction-Film, mit einem souveränen Bruce Willis und einem Joseph Gordon-Levitt (der schon in „Brick“ die Hauptrolle spielte), der einmal mehr seine Wandlungsfähigkeit zeigt, die ihn zuvor schon den sensiblen jungen Mann im Indie-Erfolg „(500) Days of Summer“ ebenso eindringlich verkörpern ließ wie den psychotischen Killer-Sidekick von Mickey Rourke in John Maddens „Killshot“.

Text: Frank Arnold

Fotos: 2012 Concorde Filmverleih GmbH

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Looper“ im Kino in Berlin

Looper, USA 2012; Regie: Rian Johnson; Darsteller: Bruce Willis (Joe, älter), Joseph Gordon-Levitt (Joe), Emily Blunt (Sara); 118 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 4. Oktober

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