Drama

„Looping“ im Kino

Riesenradreise: In „Looping“ treffen drei Frauen in der Psychiatrie aufeinander

Foto: Salzgeber

„Wenn du zu dir so sein könntest, wie du gerade zu Frenja warst, dann müsstest du nicht hier sein.“ Diesen Satz sagt die etwas ältere Ann zu der 19-jährigen Leila. Hier, das ist eine psychiatrische Klinik. Komplizierte Selbstverhältnisse sind das Thema von Leonie Krippendorfs „Looping“, der zu Beginn dieses Jahres erfolgreich beim Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken lief. Für Jella Haase ist die Rolle der Leila ein weiterer Schritt aus dem Stereotyp heraus, auf das sie sich nach „Fack Ju Göhte“ nicht festlegen lässt.

Die Geschichte beginnt auf dem Rummel, wo die Eltern von Leila einen Auto-Scooter betreiben. ­Leila büxt aus, gerät an einen Lastwagenfahrer, die Nacht endet schlimm. Danach bekommt der Film eine andere Färbung. Allmählich nimmt Leonie Krippendorf auch die Geschichten von Frenja und Ann auf. Die therapeutischen Bemühungen stehen hier unter dem Vorbehalt, dass sie nie so wirksam sein können wie das, was die drei Frauen füreinander werden können. Die befreiende Intimität, die Krippendorf gegenüber den Routinen in der Anstalt auch musikalisch betont, hat aber auch etwas von Wunschdenken. Leila, Frenja und Ann bilden eine autonome Zelle auf Zeit – spannend wäre es, diese Utopie stärker mit einem Realitätsprinzip zu verknüpfen. Aber Leonie Krippendorf interessiert sich stärker für Atmosphärisches, für nächtliche Ausflüge, für einen Nachmittag am Strand. So ­haben dramatische Momente ein wenig den Bei­geschmack des Rhetorischen: Ann geht ins ­Wasser, kommt zurück, man versteht das Signal. Und manche Dialoge klingen doch eher geschrieben als empfunden: „Wir könnten ein Riesenrad restaurieren, und damit die ganze Welt bereisen.“

„Looping“ ist vor allem als eine Begegnung dreier Schauspielerinnen sehenswert: mit Lana Cooper, die Frenja spielt; mit Marie-Lou Sellem, die nachvollziehbar macht, wie unerreichbar psychisch kranke Menschen sein können. Und Jella Haase ­könnte weiter ruhig auch Komödien machen. Man wird sie trotzdem ernstnehmen.

Looping D 2016, 105 Min., R: Leonie Krippendorff, D: Jella Haase, Lana Cooper, Marie-Lou Sellem, Start: 25.8.

Bewertungspunkte4

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