Gesellschaftsdrama

„Loro – Die Verführten“ im Kino

In „Loro“ führt Paolo Sorrentino die Bunga-Bunga-Welt mit den Trugbildern von ­Jugend und  eigenen Unzulänglichkeiten zusammen

2018 Gianni Fiorito/ DCM

Zu den besten Filmen, die der italienische Filme­macher Paolo Sorrentino in den vergangenen zehn Jahren schuf, gehörten eine satirische Politiker­biografie („Il divo“, über Mario Andreotti), ein elegischer Rückblick auf das Leben eines Gesellschaftsreporters in der Bunga-Bunga-Welt Berlusconis („La grande bellezza“) und ein Werk über zwei ­alternde Künstler, die sich mit Trugbildern von ­Jugend und der eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert sehen („Ewige Jugend“).

In „Loro“ führt Sorrentino diese Themen nun noch einmal zusammen. Zu Beginn erkundet der (im Original zweiteilige) Film die hohle und zutiefst sexistische Feierwelt voller jugendlicher Titten und Ärsche, in der ein Pärchen versucht, sich um des schnöden Vorteils willen an den politischen Führer des Landes heranzuwanzen, den – als er dann schließlich auftaucht – Toni Servillo lässig mit ­Frisur und Dauergrinsen Berlusconis spielt (dessen Name jedoch nie fällt).
Hinter den Kulissen intrigieren weitere Politiker, während sich der Parteichef im zweiten Teil des Films irgendwo zwischen Dauerehekrise und dem vergeblichen Versuch aufreibt, ewig jung zu bleiben. Eine korrupte Welt, in der jeder grapscht, was er bekommen kann. Dabei besitzt „Loro“ zwar durchaus satirische ­Momente, ist jedoch weit von einer platten Berlusconi-Parodie entfernt: eine schneidende Gesellschaftsanalyse, brillant fotografiert und souverän inszeniert.

Loro I 2018, 145 Min., R: Paolo Sorrentino, D: Toni Servillo, Elena Sofia Ricci, Riccardo Scamarcio, Kasia Smutniak, Start: 15.11.

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