Berlinfilm

„Lotte“ im Kino

Lebensnahe Low-Budget-Produktion aus Berlin

Lotte
Foto: Darling Berlin

Holla, da hat aber jemand sein Leben nicht wirklich im Griff. Lotte (eine Wucht: Karin Hanczewski, die schon zuvor in „Im Sommer wohnt er unten brillierte“) kommt in ihrem Job als Krankenschwester ständig zu spät, hangelt sich von Bleibe zu Bleibe und stürzt auch gerne mal komplett ab. Eine unabhängige Frau, die niemandem gefallen will und das „Fick dich“ förmlich vor sich her trägt. Aber auch eine, die der eigene individuelle Lebenswandel zunehmend zu stressen scheint. Vielleicht ist man ja aus dem 24-Hour-Party-People-Level irgendwann auch mal rausgewachsen. Und es warten andere, konventionellere Herausforderungen.

Ein ungewöhnliche Frauenfigur, die Regisseur Julius Schultheiß in seinem unabhängig finanzierten Film da geschaffen hat. Und eine, der man trotzdem gerne folgt. Ins Schleudern gerät Lottes Weltbild, als sie zuerst einem uralten Lover begegnet und sich alsbald die pubertierende Krankenhaus-Patientin Greta als ihre eigene Tochter entpuppt, die bis dato beim Vater gelebt hat.

Ein intensives Frauenporträt und zugleich eine raue Hommage an Berlin, die Stadt der ewigen Sause. Wie hat der Liedermacher Stephan Sulke vor 40 Jahren so schön gesungen: „Na Lotte, was machen wir nu? Wo gehn wir nu hin?“ Martin Schwarz

Lotte D 2016, 78 Min., R: Julius Schultheiß, D: Karin Hanczewski, Zita Aretz, Paul Matzke, Start: 27.10.

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