Biografie

„Lou Andreas-Salomé“ im Kino

„Wir können doch Freunde bleiben. Stellen Sie sich einfach vor, ich sei ein Mann.“

Foto: Sebastian Geyer/ avanti media fiction/ Wild Bunch Germany

Lou Andreas-Salomé (1861-1937) war eine begehrte Frau, aber sie gehörte zeitlebens nur sich. Ihr wohl berühmtestes Foto zeigt sie 1882 mit den Freunden Friedrich Nietzsche und Paul Rée: Die beiden sind vor einen Karren gespannt, auf dem Lou sitzt – eine strahlende Schönheit mit einer kleinen Peitsche in der Hand, Sinnbild ihrer verspielten Autonomie. Die historische Figur, Wegbegleiterin von Rilke, Nietzsche und Freud, erscheint noch heute radikaler und mutiger, als dieser deutsche Fernsehkinofilm mit überdeutlichen Dialogen vermitteln kann. Der biografische Zugang des Films wirkt bis zum Ende banal: Die Wirrungen des Privatlebens und die Beziehungen zu noch berühmteren Männern sind wichtiger als Andreas-Salomés Beiträge zur Psychoanalyse oder Philosophie. Der Schatten der männlichen Prominenz liegt noch immer auf dieser Frau.

Lou Andreas-Salomé D/A/I 2016, 113 Min., R: Cordula Kablitz-Post, D: Katharina Lorenz, Katharina Schüttler, Alexander Scheer, Start: 30.6.

Bewertungspunkte5

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