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„Love Steaks“ im Kino in Berlin

Love Steaks

Ende Januar wurde „Love Steaks“ von Jakob Lass auf dem Max-Ophüls- Festival mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr räumte der Film in allen vier Kategorien ab, in denen der Förderpreis Neues Deutsches Kino beim Filmfest in München vergeben wird: Regie, Produktion, Schauspiel und Drehbuch. Vor allem Letzteres sorgte bei Traditionalisten für Stirnrunzeln, entstand das scharfe, kleine Werk doch nicht nur ganz ohne Fördermittel, sondern, entlang sogenannter „Skelett-Szenen“, auf der Basis von Improvisation, im Kollektiv entwickelter Ideen sowie der Einbindung des Vorgefundenen – mithin also eben nicht nach einem festen Drehbuch.
Denn Franz Rogowski und Lana Cooper agieren in den Rollen von Masseur Clemens und Köchin Lara in einer erdachten Geschichte, während um sie her der Betrieb am Drehort – dem realen Grand Hotel & SPA Kurhaus Ahrenshoop, dessen Belegschaft zudem während der tatsächlichen Arbeitszeiten an den realen Arbeitsplätzen mitspielt – mehr oder weniger normal weitergeht. Das allein sorgt schon für reizvolle Reibungen und gewinnbringende Kollisionen. Das Motiv des produktiven Kontrastierens liegt aber auch dem Plot zugrunde, prallen mit Clemens und Lara doch zwei aufeinander, die, auf den ersten Blick, unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie ist wild, ungestüm und hat ein Alkoholproblem. Er ist sanft, schüchtern und will ihr helfen. Sie treiben sexuellen Unfug, spielen am Strand Pirat, gehen den Vorgesetzten auf die Nerven. Sie kämpfen um ihren Platz in der Hierarchie, die Ordnung in ihrem Leben und schließlich umeinander. Im Zuge dessen wird deutlich, wie stark der so ängstlich wirkende Clemens eigentlich ist, und welche Schwäche Lara hinter ihrer Großmäuligkeit verbirgt. Auch auf dieser Ebene findet also ein Austausch statt, fließt zuvor Geschiedenes ineinander, werden Grenzen aufgehoben, entstehen Freiräume. Und das Schönste daran: An keiner Stelle kokettieren Lass und seine Mitstreiter mit dem Konzept ihres Films, vielmehr lassen sie es stattdessen einfach glücken.

Text: Alexandra Seitz

Foto: 2013, Timon Schäppi / HFF Potsdam / Daredo Media 

tip-Bewertung: Herausragend

Orte und Zeiten: „Love Steaks“ im Kino in Berlin

Love Steaks, ?Deutschland 2013; Regie: Jakob Lass; Darsteller: Lana Cooper (Lara Schmelzing), Franz Rogowski (Clemens Pollozek); 90 Minuten; FSK 12

Kinostart: 27. März

Lesen Sie hier: Regisseur Jakob Lass im Interview

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