Klassiker

Lubitsch-Retrospektive im Kino Arsenal

Bereits zu Ernst Lubitschs Lebzeiten warben Kinoplakate für seine Filme mit dem „goldenen Touch“ des Regisseurs

„Angel“ (R: Ernst Lubitsch), Foto: Arsenal

Doch was genau ist der berühmte Lubitsch-Touch eigentlich? Für Billy Wilder, der als Autor an Lubitschs Filmen „Bluebeard’s Eighth Wife“ (1938) und „Ninotchka“ (1939) mitgearbeitet ­hatte, bestand das Geheimnis in der Einbindung des Publikums, das von Lubitsch zu Mitverschworenen gemacht wurde: „Er ­rechnete niemals 2+2=4 vor, sondern er gab den Leuten 1+3 und sie zählten es dann selbst zusammen – das war das ­Vergnügen daran.“
Diese Publikumseinbindung bedingt eine indirekte Erzählweise, wie man sie beispielsweise in Lubitschs Meisterwerk studieren kann, der herrlich amoralischen Kriminal- und Gesellschaftskomödie „Trouble in Paradise“ (1932), mit der das Arsenal-Kino eine 20 Filme umfassende Retrospektive des Regie-Maestros eröffnet: So erzählt Lubitsch hier von einer Verführung, indem er eine ganze Sequenz lang nichts anderes zeigt als Einstellungen von Uhren und einer Flasche eis­gekühlten Champagners.

Die Komödie war Lubitschs bevorzugtes Metier: Sowohl frühe Grotesken wie „Die Puppe“ (1919) als auch populäre Musicals à la „Monte Carlo“ (1930) und natürlich die berühmte Anti-Nazi-Farce „To Be or Not To Be“ (1942) zeichnen sich durch die geistreiche Respektlosigkeit des Regisseurs aus. Zur Meisterschaft brachte Lubitsch sein Können vor allem in „sophisticated comedys“ wie „Design For Living“ (1933) , in denen er gern Dreiecksgeschichten erzählte, die klassisch bürgerliche Paarmodelle infrage stellen, und die er gelegentlich auch ins Melodramatische wendete („Angel“, 1937, Foto). Zu sehen ist die Retrospektive mit dem Schwerpunkt auf Lubitschs amerikanischen Komödien bis Ende Januar.

Retrospektive Ernst Lubitsch Fr 15.12. – Mi 31.1., Kino Arsenal

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