Dokumentarfilm

„Machines“ im Kino

Überleben ist alles: Die Doku beleuchtet das Leben indischer Textilarbeiter

Pallas Film

Zu den am häufigsten kritisierten Aspekten der Globalisierung zählen die Methoden der Textilindustrie, deren ausbeuterische, allzu oft lebensgefährliche Praktiken schon oft aufgezeigt wurden. Ins selbe Horn scheint der Inder Rahul Jain mit seinem ersten längeren Dokumentarfilm „Machines“ zu blasen, wenn er sich mit Verve in die engen, dunklen Räume der Textilfabriken im westindischen Staat Gujara stürzt. Offensichtliche Konnotationen evozieren die Bilder von Öfen, aus denen Flammen zischeln, von verschwitzen, verschmutzten Arbeitern, die an offenen Trögen mit Chemikalien hantieren, deren Gestank man zu riechen meint.

Zusammen mit seinem mexikanischen Kameramann Rodrigo Trejo Villanueva hat Jain Bilder gefunden, die mit ihren expressiven Farben, ihren Hell/Dunkel-Kontrasten an Gemälde aus der Renaissance wirken – oder wie Bilder aus den Filmen Michael Glawoggers. Ähnlich wie der Österreicher in seinem Meisterwerk „Workingmans Death“ zeigt auch Jain Menschen und ihre Arbeit, ohne diese zu bewerten. Dabei geht er sogar noch weiter als der Österreicher, deutet zwar an, wie offensichtlich ausbeuterisch die schwere Arbeit ist, die durch den ständigen Zustrom in die Städte, vom neuem Menschenmaterial also, am Leben erhalten wird, lässt aber auch Arbeiter zu Wort kommen, die durchaus zufrieden sind.

Immerhin haben sie im Gegensatz zu vielen anderen Menschen in Indien Arbeit und können ihre Familien ernähren. Auch das ist ein Teil der Wahrheit, und es ist eine der großen Stärken dieser eindrucksvollen, eindringlichen Dokumentation, das er ihr nicht ausweicht, sondern sie zu einem differenzierten Bild eines Teils der globalen Industrie formt.

Machines IND/D/FIN 2016, 71 Min., R: Rahul Jain, Start: 9.11.

Mehr über Cookies erfahren