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„Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod“ im Kino

Mad Circus - Eine Ballade von Liebe und Tod

Kinder haben oft Angst vor Clowns – sicher nicht nur, weil sie die falschen Filme gesehen haben und den Joker kennen, Batmans unheimlichen Gegenspieler. Vor allem die überzeichnete Schminke des Whiteface-Clowns löst Ängste aus, denn die Maske absorbiert jede Mimik. Das Lustige ist eindeutig Fassade, das Dahinter bleibt aber unlesbar und verbirgt möglicherweise dessen Gegenteil: das Traurige. Oder das Böse. Бlex de la Iglesia übersetzt in „Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod“ diese Paradoxie der Maske in ein blutiges Liebesdrama und eine bizarre Geschichtsparabel.
Javiers Vater ist Clown, und als er 1937 von den Faschisten verschleppt wird, nimmt er seinem Sohn das Versprechen ab, die Familientradition als „trauriger Clown“ weiterzuführen, bis Spanien wieder frei ist. 1973, in den bleiernen Jahren des späten Frankismus, heuert der erwachsene Javier bei einem heruntergekommenen Wanderzirkus an. Dicklich und schüchtern, wird er zum Sidekick des „lustigen“ Clowns Sergio, einem brutalen, testosterongesteuerten Großmaul und Hauptattraktion der Show. Dessen Freundin Natalia leidet unter seiner Gewalttätigkeit und heult sich beim gutmütigen Javier aus, der nun als Konkurrent von Sergio drangsaliert wird. Als die Gewalt eskaliert, wird der Clown zum amoklaufenden Racheengel, sucht Vergeltung für seine Demütigung und die des spanischen Volkes. Spätestens ab diesem Zeitpunkt beschleunigt sich der ohnehin vor lauter visuellem Einfallsreichtum etwas hibbelige Film zum grellen Exploitation-Schocker. Er maskiert sich gleichsam wie der Clown mit seiner weißen Schminke und bezahlt dafür mit einem Verlust an Differenzierung.
Und doch macht gerade die Übersetzung des Kampfes von Gut und Böse, Liebe und Begehren, Demokratie und Diktatur in die Welt des Zirkus das Pervertierende von Gewalt und Unterdrückung überdeutlich. Die Antagonisten werden einander immer ähnlicher in ihrer Verstümmelung, und auch die Objekte der Begierde – die schöne Frau wie das Land Spanien – werden die letzte Schlacht nicht überstehen. In der zerstörten Fratze am Ende sind Lachen und Weinen nicht zu unterscheiden.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Cine Global

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod“ im Kino in Berlin

Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod (Balada triste de trompeta), Spanien/Frankreich 2010; Regie: Бlex de la Iglesia; Darsteller: Carlos Areces (Javier), Antonio de la Torre (Sergio), Carolina Bang (Natalia); 105 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 8. Dezember

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