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„Madame Bovary“ im Kino

Emma Bovary zählt zu den großen unglücklichen Liebenden der Weltliteratur, mit Anna Karenina und Effi Briest zusammen bildet sie die Dreifaltigkeit weiblichen Scheiterns an der Enge gesellschaftlicher Konventionen. Ihr Leben an der Seite eines braven Landarztes empfindet die Titelheldin von Gustave Flauberts 1857 veröffentlichtem Roman als fade und enttäuschend; mit Liebes- und Kaufräuschen sorgt sie für Abhilfe und weiht damit sich und die Ihren dem Untergang.
In ihrer werkgetreuen Adaption wahrt Sophie Barthes vor allem die emotionale Integrität der Vorlage; sie verzichtet auf Dialoge zugunsten des Atmosphärischen; und sie hat in Mia Wasikowska eine Darstellerin, die den Aufruhr der Gefühle, an dem die Madame schließlich zugrunde geht, mühelos nachvollziehbar macht – dergestalt, dass einem diese Frauenfigur so nahe wie schon lange nicht mehr kommt, ja geradezu modern erscheint. Denn nicht allein romantische Schwärmerei stürzt Emma ins Unglück, sondern die Perspektivlosigkeit eines Daseins, die mit der Reduktion der Frau auf die Zierde des Mannes einhergeht.    

Text: Alexandra Seitz

Foto: Warner

Orte und Zeiten:
Madame Bovary

Madame Bovary D/B/USA 2014; R: Sophie Barthes; D: Mia Wasikowska (Emma Bovary), Paul Giamatti (Monsieur Homais), Rhys Ifans (Monsieur Lheureux); 119 Min.

Kinostart: Do, 17. Dezember 2015

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