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„Mädelsabend“ im Kino

Mädelsabend

Wie so oft ist der englische Originaltitel um einiges fruchtbarer als der deutsche. „Walk of Shame“ heißt die Komödie von Steven Brill da, und deckt den Teil des Films ab, um den es eigentlich geht. In Deutschland hat man sich hingegen auf das filmische Präludium beschränkt, das dem entblößenden Marsch vorausgeht: ein feuchtfröhlicher Abend unter Freundinnen, ein Mädelsabend.
Dieser wurde angesetzt, um Meghan Miles’ (Elizabeth Banks) Fortkommen auf der Karriereleiter beim abgeschmackten Lokalsender KZLA in Los Angeles zu zelebrieren. Doch als Miles am Abend in ihr Domizil einkehrt, findet sie eine Minimaleinrichtung vor, die nicht abgesprochen war: Freund Tommy hat sich einfach aus dem Staub gemacht. Die Mädels Rose und Denise stehen trotzdem vor der Tür und zerren die heulende Meghan in den nächstbesten Club. Was folgt: ein One-Night-Stand mit dem literarisch ambitionierten Gordon, in dessen Wohnung Meghan am folgenden Tag mit schwerem Schädel erwacht.
Kann ja mal passieren. Müsste Miles nicht ganz dringend ins Fernsehstudio. Hätte sie nicht ihr Telefon verlegt. Und die Geldbörse. Würde sich das alles nicht in ihrem Auto befinden, das gerade abgeschleppt wird. Was bleibt ihr also übrig, als sich zu Fuß durchzuschlagen? Dabei steckt sie noch immer im knallgelben Cocktaildress, und auch die Pfennigabsätze sind für einen Marsch durch L. A. wenig geeignet. Meghan wird für eine Prostituierte gehalten, findet sich in einem Crackhouse wieder – kurz: Binnen weniger Stunden hat sie einen sozialen Abstieg hingelegt, der sie nun selbst zum Gegenstand einer Live-Berichterstattung bei KZLA qualifiziert. Raffinierte Posse.

Text: Carolin Weidner

Foto: 2012 Universum Film GmbH

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Mädelsabend“ im Kino in Berlin

Mädelsabend (Walk of Shame), USA 2014; Regie: Steven Brill; Darsteller: Elizabeth Banks ?(Meghan), James Marsden (Gordon), Gillian Jacobs (Rose); ?95 Min.

Kinostart: 26. Juni

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