Roman-Verfilmung

„Magical Mystery“ im Kino

Der einzig Nüchterne: Die kongeniale Verfilmung von Sven Regeners Roman „Magical Mystery“ glänzt durch trockenen norddeutschen Humor

Karl Schmidt (Charly Hübner, links) kann auch ohne Drogen Spaß haben
Foto: DCM / Gordon Timpen, SMPSP

Die Spannung war groß: Kann die dritte Verfilmung eines Romans von Sven Regener nach dem bejubelten „Herr Lehmann“ (2003) und dem TV-Film „Neue Vahr Süd“ (2010) mit den sehenswerten Vorgängern mithalten? Denn im Gegensatz zu diesen Vorlagen (und auch des noch nicht verfilmten „Der kleine Bruder“) birgt „Magical Mystery“ einige Fallstricke auf dem Weg vom Geschriebenen zum Bild. Zum einen erzählen Buch und Film von einer Techno-DJ-Tournee durch Deutschland, in der man sich leicht dramaturgisch verlieren kann. Zum anderen ist es um das Innenleben der Hauptfigur nicht gerade gut bestellt – wie setzt man die Panikattacken des Karl Schmidt filmisch um?

Nach fünf Jahren der psychischen Betreuung in einer Hamburger Drogen-WG trifft Karl Schmidt (großartig lethargisch: Charly Hübner), der Künstlerkumpel Herr Lehmanns aus alten Berliner Zeiten, Mitte der 90er-Jahre zufällig auf seinen alten Bandkollegen Raimund Schulte (Marc Hosemann). Der ist zusammen mit Karls ebenfalls altem Kumpel Ferdi (Detlev Buck) mit dem Techno-Label Bumm-Bumm-Records reich geworden. Beide überreden Karl, für die anstehende DJ-Tour namens „Magical Mystery“ (angelehnt an die Beatles) als Fahrer und Tour-Manager zu fungieren – damit wenigstens einer dabei ist, der nüchtern bleibt und die Zügel in der Hand hält. Karl verheimlicht sein Tun gegenüber seiner WG und dem Hippie-Betreuer Werner (Bjarne Mädel) und fährt nach Berlin – zum Start von „Magical Mystery“.

Abgesehen davon, das Techno-Kenner viel Spaß an legendären Sounds aus den 90ern haben dürften, entspinnt sich auch für den normalen Zuschauer ein kurzweiliges Roadmovie mit einer illustren Schar an schrägen Figuren. Als ein echter Glücksgriff erweist sich Regisseur Arne Feldhusen („Stromberg“, „Tatortreiniger“): Er weiß nicht nur Karls Angstattacken filmisch gekonnt und nachvollziehbar umzusetzen, er sorgt auch für viel trockenen norddeutschen Humor, den ihm Sven Regener als erstmaliger Drehbuchautor einer seiner Romane ins Skript geschrieben hat.

Magical Mystery D 2017, 111 Min., R: Arne Feldhusen, D: Charly Hübner, Detlev Buck, Marc Hosemann, Annika Meier, Start: 31.8.

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