Familienepos

„Mahana – Eine Maori-Saga“ im Kino

Keine Angst vor Pathos: Mit Mahana – Eine Maori-Saga kehrt der neuseeländische Regisseur Lee Tamahori zu seinen Wurzeln zurück

Mahana – Eine Maori-Saga
Foto: PROKINO

Satte 22 Jahre ist es her, da sorgte Lee Tamahori mit dem kraft­vollen Maori-Drama „Die letzte Kriegerin“ („Once Were ­Warriors“) für internationales Aufsehen. Der damals schon 44-Jährige wechselte dank des großen Erfolgs von Neuseeland nach Hollywood – und ging dort nicht unter, sondern inszenierte hochwertige Thriller wie „Nach eigenen Regeln“ („Mulholland Falls“, 1996) und mit „Stirb an einem anderen Tag“ im Jahr 2002 sogar einen James-Bond-Film. Nun ist der väterlicherseits selbst von den Maori abstammende ­Filmemacher für diese Familien­saga in seine Heimat Neuseeland zurückgekehrt.
Tamihana Mahana (Temuera Morrison) ist der überaus strenge Patriarch seines vielköpfigen Clans an der rauen Ostküste Neuseelands Anfang der 1960er-Jahre. Die Mahanas haben sich einen Namen als hervorragende Schafscherer erarbeitet, nur die verfeindete Familie der Poatas – ebenfalls Maori – macht ihnen diesen Rang seit langem streitig. Doch es kommt Bewegung in die festgefahrenen Strukturen des Ortes, mit ausgelöst durch den 14-jährigen Simeon Mahana (Akuhata Keefe). Der ist ein schlauer, im Grunde eher zurückhaltender Junge, allerdings mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Und gerade deshalb gerät Simeon immer wieder in Konflikt mit dem herrschsüchtigen Tamihana – was sogar soweit führt, dass Simeons Familie vom Hof verbannt wird. Doch ein uraltes dunkles Familiengeheimnis wartet darauf, von Simeon entdeckt zu werden. Und das hat nicht nur mit Simeons sanfter Großmutter Ramona (Nancy Brunning) zu tun, sondern auch mit Rupeni Poata (Jim Moriarty), dem Patriarch der verfeindeten Familie.

Lee Tamahori und Witi Ihimaera, der Autor der literarischen ­Vorlage –  die Verfilmung seines Romans „Whale Rider“ wurde 2002 zum Welterfolg –, erzählen hier eine ganz klassische Familien­geschichte im besten Sinne. In kraftvollen Bildern der betörenden Landschaft Neuseelands breitet Tamahori einen Mikrokosmos einer Maori-Familie aus, in dem interessanterweise die Unterdrückung durch die weißen Neuseeländer eher eine untergeordnete Rolle spielt. Jedenfalls wird hier nicht näher thematisiert, dass den ­Weißen ­offenbar ganz selbstverständlich jene Schafe gehören, die die Maori scheren.
Stattdessen macht den Mahanas die beinahe schon shakespearsche Fehde mit dem Nachbarclan zu schaffen – die auch an „Romeo und Julia“ erinnernde Schwärmerei Simeons für ein niedliches Poata-Mädchen, mit erstem Kuss im Kino – inklusive. Zudem muss die ältere Generation den Einzug einer modernen, aufklärerischen Zeit verkraften, verkörpert durch progressive Lehrer und den mutigen ­Simeon. Prächtig inszeniert, hervorragend gespielt und ohne Angst vor Pathos – ein wohltuend altmodisches Melodram. Und während „Die letzte Kriegerin“ durch seine archaische Wucht beeindruckte, ist es hier Tamahoris sehr amerikanische Erzählkunst, die den Film trägt.

Mahana NZL 2015, 103 Min., R: Lee Tamahori, D: Temuera Morrison, Akuhata Keefe, Nancy Brunning, Jim Moriarty, Start: 1.9.

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