Literaturverfilmung

„Maikäfer, flieg!“ im Kino

Die kleine Beobachterin: „Maikäfer, flieg!“ schaut ins Wien der Nachkriegszeit

Foto: W-film/ Oliver Oppitz

„Nix Germanski!“ In Wien kann es im Jahr 1945 leicht zu Missverständnissen kommen, denn die Russen, die im gutbürgerlichen Neuwaldegg auftauchen, sprechen eine merkwürdige Sprache. Die achtjährige Christel ist ­Erzählerin in Christine Nöstlingers autobiografischem Jugendbuch „Maikäfer, flieg! Mein Vater, das Kriegsende, Cohn und ich“, in dem das Ende des Zweiten Weltkriegs für ein Kind zu einer Initiation in die Welt der Erwachsenen wird. In der Villa einer Frau, die früher einmal mit Nazigrößen wie Göring bekannt war, lebt Christel mit ihrem Vater, der von Granatsplittern gezeichnet ist, und der meist missmutigen Mutter. Sie haben Unterschlupf gefunden, nachdem ihr Zuhause ausgebombt worden war. Zwischen Stress und Idylle entfaltet sich in der Verfilmung ein Panorama der Befreiung, der Abrechnung, der Missverständnisse.
Christine, die zwischendurch einmal mit dem großartigen Wort „Strawanzer“ („Herumtreiber“) bezeichnet wird, ist das Medium, ihre Sensibilität vermag der Film allerdings nicht ganz so nuanciert zu vermitteln, wie das im Buch der Fall ist. Mirjam Unger betont zwar immer wieder den forschenden Blick der kindlichen Hauptdarstellerin (Zita Gaier), setzt ihm aber oft sehr konventionelles Ausstattungs­kino entgegen. Dass ein Kind prägende Erlebnisse mit einem der großen Wendepunkte des 20. Jahrhunderts verbindet, ergibt im Buch eine eigentümliche Spannung und schließlich eine Idee von Befreiung, die sich in der Verfilmung nur bedingt mitteilt.

Maikäfer, flieg! A 2016, 109 Min., R: Mirjam Unger, D: Zita Gaier, Ursula Strauss, Gerald Votava, Start: 27.4.

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