Musikdoku

„Mali Blues“ im Kino

Das musikalische Vermächtnis Malis, das oft als Wiege des Blues betrachtet wird, ist seit 2012 besonders im Norden des Landes durch den Terror militanter Islamisten massiv bedroht.

Foto: Real Fiction

„Mali Blues“ ist ein doppeldeutiger Titel für eine Dokumentation über die gegenwärtige Musikszene Malis. „Blues“ als Referenz an die Musik des Landes, „Blues“ als Lebensgefühl in einem Land in einem permanenten politischen Ausnahmezustand.
Der Film zeigt vier malische Musiker, darunter die Griot-Legende Bassekou Kouyaté und Fatoumata Diawara, die inzwischen ein Star der Weltmusik ist. Wie gehen sie mit der alltäglichen Angst um, Musiker in Mali zu sein? Sehen sie eine Zukunft für ihr Land und welchen künstlerischen Beitrag können sie dafür leisten? Stoff genug für einen spannenden Musikfilm, der zwar ambitioniert ist, aber oft mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt. Wie bei Fatoumata Diawara, wo die große Bedeutung ihres überhaupt allerersten Konzertes in Mali nach der Rückkehr aus langjährigem Exil zu kurz kommt.
Die starken Statements der Künstler werden zu selten in den entsprechenden politischen Kontext gesetzt oder wichtige Hintergrundinformationen wie zum „Festival au Désert“ fallen weg. Stattdessen gibt es unnötigerweise zu viele, wenn auch schön fotografierte Mali-Impressionen als Lückenfüller. Sehenswert bleibt „Mali Blues“ aber auf jeden Fall wegen der Musik und der unbeugsamen Haltung und Hoffnung der Musiker auch mit ihren Texten für eine politische Veränderung in ihrer Heimat zu kämpfen.

Mali Blues D 2016, 94 Min., R: Lutz Gregor, Start: 29.9.

Bewertungspunkte3

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