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„Man For A Day“ im Kino

Man For A Day

Andi ist einer dieser fusselbärtigen, großmäuligen HipHopper, ein cooler Bunnychecker. Zumindest sieht er so aus, geht so, sitzt so. Eigentlich heißt Andi aber Susi und ist selbst ein, nun ja, Bunny. Katarina Peters zeigt in ihrem Dokumentarfilm „Man For a Day“, wie aus der ehemaligen Miss Uckermark und einem knappen Dutzend anderer Frauen Kerle werden. Für einen Tag in den Straßen Berlins. Aus der alten Frage „Wann ist ein Mann ein Mann?“ wird unter der Regie der Performancekünstlerin Diane Torr kein Kunstprojekt, sondern eine Selbsterfahrung, die dazu verhelfen soll, „mehr“ zu sein. Die ehemalige Mitarbeiterin von Annie Sprinkle hat die seit den späten 1980ern in der radikalfeministischen New Yorker Kunstszene veranstalteten Dragking-Workshops kontinuierlich im Alltag weiterentwickelt. Der Film verbindet die konzeptionellen Gespräche mit teilweise hochkomischen Praxisübungen wie der Verfolgung potenzieller männlicher Role Models auf der Straße oder kollektiver Penisbastelei aus Kondomen und Watte. Durch eine kluge Mischung aus Interviews und Alltagsszenen mit dem theatralischen Ambiente des Seminarraums gelingt so ein aufschlussreicher und unterhaltsamer Blick auf die Performanz von Geschlecht als trainierbare Performance.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Salzgeber

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Man For A Day“ im Kino in Berlin

Man For A Day, Deutschland/Großbritannien/Finnland 2012; Regie: Katarina Peters; 96 Minuten; FSK 6

Kinostart: 19. Juli

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