Familiendrama

„Manchester by the Sea“ im Kino

In seinem Heimatort „Manchester by the Sea“ muss sich ein Mann der Vergangenheit stellen
Familiengeschichten um Nähe, Zurückweisung und die Übernahme von Verantwortung sind das Terrain von Kenneth Lonergan

Foto: UPI/ Claire Folger Courtesy of Amazon Studios

Nur drei Regiearbeiten hat der 54-jährige amerikanische Autor und Regisseur inklusive „Manchester by the Sea“ bis heute geschaffen; ­allein sechs Jahre lang währte eine gericht­liche Auseinandersetzung um die finale Schnittfassung des 2005 gedrehten Vorgängers „Margaret“.
Inszenatorisch und thematisch knüpft „Manchester by the Sea“ in jeder Hinsicht an die Vorgängerfilme an: Mit erheblichem Understatement, aber großer Detailgenauigkeit (und in epischer Länge) erzählt Lonergan die ­Geschichte des Hausmeisters Lee Chandler (Casey Affleck in einer exzellenten Performance), der nach Jahren der Abwesenheit in seine titelgebende Heimatstadt zurückkehrt, weil ihn sein unlängst verstorbener Bruder zum Vormund des 15-jährigen Neffen Patrick bestimmt hat. Und während sich der ­fordernde Teenager und sein verschlossener, unwilliger Onkel an einander abarbeiten, lernt Lee, auch mit der eigenen Vergangenheit, einem tragischen ­Unglück, für das er sich die Schuld gibt, ins Reine zu kommen.
Sehr sorgfältig werden Konflikte etabliert und Stimmungen aufgebaut, wobei ein hinter­gründig-trockener Humor (etwa um Patricks Pubertätsprobleme oder Lees einsilbig verlaufende Dates mit Frauen) der Geschichte eine weitere schöne Dimension verleiht. Auch wenn die Nominierungen für die Oscars noch nicht raus sind: „Manchester by the Sea“ dürfte ein heißer Kandidat sein.

Manchester by the Sea USA 2016, 138 Min., R: Kenneth Lonergan, D: Casey Affleck, Lucas Hedges, Michelle Williams, Start: 19.1.

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