Kunstfilm

„Manifesto“ im Kino

Julian Rosefeldt und Cate Blanchett führen durch eine Kompilation von Manifesten verschiedenster Kunstrichtungen von Expressionismus bis Pop Art

Julian Rosefeldt/ VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Egal, ob politisches oder künstlerisches Manifest, eigen ist ihnen der meist emphatische Tonfall, die glühende Forderung nach etwas Neuem und Gegenwärtigen bei gleichzeitig vehementer Ablehnung des Vorangegangenen. Der deutsche Film- und Videokünstler Julian Rosefeldt, der sich in seinem sowohl als Kinofilm wie als 13-Channel-Filminstallation veröffentlichten Werk „Manifesto“ nun ebenjenen vornehmlich künstlerischen Manifesten annimmt, hat in einem Statement geäußert, er habe sie jenseits ihrer kunsthistorischen Bedeutung auch als Poesie mit einem „wunderschönen“ Schreibstil angesehen, die man dank ihres theatralen Charakters als moderne Performance aufführen könne.

Umgesetzt hat Rosefeldt diese Filmperformance mit der australischen Schauspielerin Cate Blanchett, die in 13 Rollen in 12 verschiedenen Settings eine Kompilation von Manifesten verschiedenster Kunstrichtungen von Expressionismus bis Pop Art vorträgt und zu einem neuen „Manifesto“ verschmelzen lässt. Ob sich daraus tatsächlich eine neue Relevanz alter Texte für unsere Zeit ergibt, mag dahingestellt sein, in jedem Fall sind Blanchetts in immer neuen Masken und mit anderen Akzenten dargebotene Interpretationen ein großes, nicht nur intellektuelles Vergnügen. Zu sehen, wie sie als Nachrichtensprecherin in der Simulation einer Schaltung zu einer Außenreporterin („Zurück zu ihnen, Cate.“ „Danke Cate.“) Grundsätze des Minimalismus zum Besten gibt, ist in seiner ironischen Distanz ebenso vergnüglich wie die Grundschullehrerin, die ihren Schülern in freundlich dozierendem Ton das filmische „Dogma 95“ nahebringt. Lars Penning

Manifesto D 2015, 95 Min., R: Julian Rosefeldt, D: Cate Blanchett, Start: 23.11.

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