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„Männer im Wasser“ im Kino

Männer im WasserFrauen mussten lange kämpfen, ehe man ihren Wettstreit in vermeintlichen Männersportarten wie Boxen und Fußballspielen nicht mehr belächelte, sondern als Sport ernst nahm. Die wenigen Männer, die das Synchronschwimmen betreiben, haben es da noch nicht so weit gebracht. Wasserballette sind nun einmal eine Domäne der Frauen, während männliches Interesse an dieser Sportart schnell mit Homosexualität assoziiert wird – was wohl mit der Liebe der schwulen Community zu den als Camp verstandenen Aqua-Musicals der 40er-Jahre zu tun hat. Dabei, so erfährt man in der schwedisch-deutschen Komödie „Männer im Wasser“ von Mеns Herngren, war das Synchronschwimmen noch eine reine Männersportart, als Ende des 19. Jahrhunderts erstmals Wettkämpfe in dieser Disziplin ausgetragen wurden. „Die sehen ja gar nicht schwul aus“, sagt dann auch Fredrik (Jonas Inde), als er die Sache von seiner Tochter ­Sara (Amanda Davin) gezeigt und erklärt bekommt.
Männer im WasserDer arbeitslose Journalist wird mit seinem beruflichen Misserfolg gerade nicht so gut fertig, mit der Beziehung zur Tochter steht es auch nicht zum Besten, und als der Altherren-Hockeyspieler mit seiner Truppe auch noch aus der Sporthalle vertrieben wird, winkt dem Leithammel die große Krise. Doch dann beschließt Fredrik, mit seinen Freunden die erste männliche Synchronschwimmgruppe Schwedens zu gründen und mit ihr an einer WM in Berlin teilzunehmen.
Bis es soweit ist, werden so einige Männlichkeitsklischees ad absurdum geführt, und die vermeintlichen Verlierertypen müssen ihre Selbstzweifel, ihre Nicht-Musikalität und ihr Übergewicht bekämpfen. Das gleiche Thema hatte der japanische Regisseur Shinobu Yaguchi 2001 in „Waterboys“ schon in ähnlicher Weise beackert, doch wo Yaguchi auf viel Klamauk setzte, erzählt Herngren seine Geschichte um kleine Familien- und Freundschaftsprobleme in einer etwas ernsteren Weise. Die Komödie verliert er dabei nicht aus den Augen, aber so kann man „Männer im Wasser“ auch als charmantes kleines Drama über die Gewinnung von Respekt und Selbstrespekt begreifen.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Männer im Wasser“ im Kino in Berlin

Männer im Wasser (Allt flyter), Deutschland/Schweden 2009; Regie: Mеns Herngren; Darsteller: Jonas Inde (Fredrik), Amanda Davin (Sara), Andreas Rothlin-Svensson (Charles); 100 Minuten

Kinostart: 19. August

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