Biopic

„Mapplethorpe: Look at the Pictures“ im Kino

Robert Mapplethorpe und seine Fotografien polarisieren, soviel wird hier schon in den ersten Minuten klar

Foto: Robert-Mapplethorpe Foundation. Used by permission

Da sieht man den US-Rechtsaußen-Senator Jesse Helms, wie er Mapplethorpe-Fotos, die er für obszön hält, an einer Fernsehkamera vorbeischwenkt und dazu geifert, dies sei keine Kunst, sondern Propaganda für Homosexualität.
Die Kuratorinnen und Kuratoren bedeutender Museen wagen den genaueren Blick: Sie sprechen über Gestaltungswillen und katholische Ikonografie, über die brutale Ehrlichkeit, mit der Mapplethorpe seine schwule Sexualität in Szene setzte, und von der kraftvollen Provokation, die dies bedeutet.
Muss man deshalb als Zuschauer explizite Bilder von schwulem SM-Sex gut finden? Oder die neoklassizistischen, ziemlich glatt und dekorativ wirkenden Fotoserien von Blumen und Statuen aus der Spätphase des Künstlers? Nicht unbedingt. Doch interessant ist der egomanische Perfektionist Mapplethorpe allemal, das macht der ansonsten eher konventionelle Film, in dem die Regisseure Fenton Bailey und Randy Barbato anhand von Archivmaterial und Interviews mit Verwandten, Modellen, ­Mitarbeitern und Liebhabern Leben und Werk des Fotografen chronologisch bis zu seinem frühen Aidstod mit nur 42 Jahren im Jahr 1989 abarbeiten, deutlich. Hier hat sich in einem langen Prozess ein Künstler selbst gefunden und seinen Interessen einen ihm adäquaten Ausdruck gegeben. Und das ist selbst dann Kunst, wenn sie einem persönlich nicht gefällt.

Mapplethorpe: Look at the ­Pictures USA/D 2016, 108 Min., R: Fenton Bailey, Randy Barbato, Start: 3.11.

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