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„Marco“ von Isao Takahata

Marco

Eine Mutter verlässt ihre Familie in Genua, um in Argentinien zu arbeiten. Nachdem auch sein älterer Bruder weggezogen ist, bleibt der etwa achtjährige Marco allein mit seinem Vater zu Hause. Die Zeiten sind hart, der Vater hat Schulden, und Marco, der unbedingt helfen will, reibt sich trotz scheinbar unermüdlicher Energie zwischen Schule, Haushalt und kleinen Jobs auf. Als Briefe von der Mutter ausbleiben, beschließt der der Junge, sie auf eigene Faust in Argentinien zu suchen und erleidet dabei vielerlei Rückschläge. Es geht also um die Härten des Lebens – ein passender Stoff für eine Trickserie im Kinderprogramm?
Isao Takahata (Regie) und Hayao Miyazaki (Animation, Zeichnungen), die späteren Gründer des japanischen Animationsstudios Ghibli, bejahten die Frage 1976 uneingeschränkt und verarbeiteten die literarische Vorlage von Edmondo De Amicis zu einer bei den Fans bis heute vielgeliebten 52-teiligen Animations-Fernsehserie. Denn der feste Glaube an die emotionale Intelligenz von Kindern, die letztlich viel mehr begreifen und verarbeiten können, als es ihnen ihre Eltern oftmals zutrauen, hat das Werk der beiden Filmemacher von jeher beseelt. Und so bieten die Episoden im Detail natürlich viel mehr als nur die melodramatische Grundsituation: eine sehr komplexe Zeichnung der Figuren und ihrer Motivationen sowie die Chancen zur Selbstständigkeit und Selbstfindung, die in den vermeintlichen Katastrophen des Lebens auch immer enthalten sind.
Die bei Universum Kids erschienene erste „Marco“-Box enthält (leider ausschließlich in deutscher Sprache) die Folgen 1 bis 26 der Serie, die Marcos Leben in Genua sowie die Überfahrt nach Argentinien detailliert nachzeichnen. Wer mit Takahatas und Miyazakis Gesamtwerk vertraut ist, wird die Liebe zum Alltagsleben in kleinen europäischen (Fantasie-)Städtchen dabei ebenso wiedererkennen wie die resolut-tapferen Frauenfiguren. Mit Marcos Anschluss an eine – ebenfalls ausgewanderte – sympathische Schaustellerfamilie, die ihm in Argentinien zunächst weiterhilft, beginnt dann ein neuer Abschnitt seiner Abenteuer.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Sehenswert

Haha o tazunete sanzen ri (Marco), Japan 1976; Regie: Isao Takahato; Länge Folge 1 bis 26: ca. 650 Minuten. Erschienen bei Universum Kids

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