• Kino & Stream
  • Margarethe von Trotta verfilmt „Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen“

Kino & Stream

Margarethe von Trotta verfilmt „Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen“


visionHildegard von Bingen ist heute eine populäre Marke, unter deren Namen Heilsteine, Heilkräuter und mittelalterliche Choralmusiken vertrieben werden. „Vision“ von Margarethe von Trotta beschreibt das Leben der historischen Figur, ohne sich dabei in schwärmerischer Mystik zu verlieren. Zugleich werden die religiösen Wurzeln von Hildegards vielseitigen Aktivitäten aber auch nicht unterschlagen. Die Adelsdame, ge­lehrsame Nonne, Mystikerin, Naturforscherin und Komponistin gründete im Hochmittelalter das Kloster Rupertsberg am Mittel­rhein und leitete ihre Frauengemeinschaft mit freundlicher Autorität statt mit hierarchischem Dünkel. Die Nonnen hielt sie zu naturmedizinischen Studien an und schätzte die heilsame Kraft der Musik hoch ein.

Margarethe von Trotta, die auch das Drehbuch schrieb, hat Dialoge und einen Schauspiel­ges­tus gefunden, mit denen die fromme Hildegard (Barbara Sukowa) als Inkarnation moderner Ganzheitsprinzipien sowie als frühes Vorbild emotionaler Intelligenz und weiblicher Emanzipation erscheint. „Vision“ erzählt die Karrieregeschichte einer unbeugsamen, wissensdurstigen Frau, die sich als geschickte Verhandlungsführerin gegen die katholische Männerwelt durchzusetzen weiß. Die mystischen Gesichte, die Hildegard von Bingen seit frühester Kindheit erlebte und als eine der ersten Frauen der Nachwelt überlieferte, sind keine bloßen Schlaglichter aus Wolkengebilden, Sonnenlicht und dem ikonografischen Auge Gottes – sie sind eher Metaphern für eine psychische Parallelwelt als Illustrierung einer religiösen Offenbarung.

Die geschlossene Welt des Frauenklosters ist in dunklen, mit Kerzenlicht beleuchteten Szenen festgehalten. Hildegard und ihre Freundin Jutta (Lena Stolze), die beide als Achtjährige ins Kloster eingetreten waren, entdecken bei der rituellen Waschung ihrer verstorbenen Ziehmutter, dass sich die geliebte Lebenslehrerin Wunden der Selbstkasteiung beigebracht hatte. Mit knappen Blick­wechseln vermittelt der Film unmittelbar, dass solche Erfahrungen die junge Hildegard davon überzeugten, Körper und Seele, Fleisch und Geist als harmonische Einheit zu begreifen und das Heilen in den Mittelpunkt ihres religiösen Weltbildes zu stellen.

Text:Claudia Lenssen

tip- Bewertung: Sehenswert

 

Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen im Kino in Berlin
Deutschland 2009; Regie: Margarethe von Trotta; Darsteller: Barbara Sukowa (Hildegard von Bingen), Heino Ferch (Mönch Volmar), Hannah Herzsprung (Novizin Richardis); Farbe, 111 Minuten;

Kinostart: 24. September

weitere Kinostarts:

Short cut to Hollywood

Mehr über Cookies erfahren