Kino & Stream

„Marieke und die Männer“ im Kino

Marieke und die Männer

Marieke, die Titelheldin dieses Debütfilms aus Belgien, wohnt mit Anfang 20 noch bei ihrer Mutter in Brüssel. Das nahe Zusammensein ist für beide beengend und angespannt. Scheinbar überträgt sich diese Spannung auch auf Mariekes Beziehungen zu Gleichaltrigen. Selbst mit ihrer Freundin wirkt sie zerstreut und verschlossen. Allein beim gefühlvollen Sex mit alten Männern, die sie dank ihrer jugendlichen Reize kokett in Bars oder Geschäften aufgabelt, fühlt sie sich sicher und geborgen.
Sophie Schoukens‘ Film ist als offenes Psychogramm einer jungen Frau auf der Suche nach emotionaler und sexueller Orientierung angelegt. Interessant ist das vor allem am Anfang, wenn der Film seine Protagonistin in zurückgenommenen Bildern in einer sprunghaften Montage porträtiert. Doch bald verdrängt empathische Sorge das neugierige Interesse. Mariekes Verhalten wird dabei zur Fallgeschichte, die der Film, spätestens als der Tod des Vaters ins Spiel kommt, mit psychologisch hergeleiteten Motivationen und symbolistisch geordneten Bildern verarbeitet. Den Darstellern wird währenddessen die Luft zum Atmen abgewürgt.

Text: Michael Baute

Foto: Neue Visionen

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Marieke und die Männer“ im Kino in Berlin

Marieke und die Männer (Marieke Marieke), Belgien/Deutschland 2010; Regie: Sophie Schoukens; Darsteller: Hande Kodja (Marieke), Jan Decleir (Jacoby), Barbara Sarafian (Jeanne); 85 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 28. Juni

Mehr über Cookies erfahren