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„Masks“ im Kino

Masks_c_Anolis_EntertainmentSchon wenn der Vorspann mit seinen Verfärbungen und Schattenrissen an Italowestern erinnert und die Verbindung von suggestiven Kamerabewegungen und prägnanten musikalischen Akkorden eine Atmosphäre des Unheimlichen heraufbeschwört, ist die Reminiszenz an eine vergangene Ära des Filmemachens spürbar. Anders als der belgische Film „Amer“, der zu Beginn des Jahres kurz in deutschen Kinos lief, geht es in „Masks“ allerdings nicht um die experimentelle Erkundung von der Erzählmuster des Giallo, vielmehr nützt der Berliner Filmemacher Andreas Marschall, wie schon in seinem vorangegangenen Film „Tears of Kali“, diese Stilmittel, um eine Geschichte von Verführung und Selbsterniedrigung zu erzählen.

Bei einer Schauspielprüfung gerade durchgefallen, folgt Stella (Susen Ermich) dem Rat eines wohlmeinenden Prüfers und bewirbt sich an einer privaten Schauspielschule. Deren Gründer Matteusz Gdula soll sich vor 38 Jahren das Leben genommen haben, nachdem seine rabiaten Methoden nicht ohne tragische Konsequenzen blieben. Auch jetzt verschwinden gelegentlich Schülerinnen, und Stella meint, hinter einem Fenster im gesperrten Teil des Gebäudes eine Gestalt zu sehen… „Der Schmerz bringt Dich zum Strahlen!“ verheißt die Schauspiellehrerin Stella. Was bist Du bereit, für Deine Kunst zu tun? Das kann man als eine moderne, verschärfte Variante der Maxime des Ballettdirektors in „Die roten Schuhe“ lesen, der seine Elevin einst vor die Wahl stellte: „Kunst oder Leben!“ In die Methode des Matteusz Gdula seien Ideen von Wilhelm Reich und Lee Strasberg eingeflossen, wird einmal erzählt – eindeutig ist, dass hier ein Guru seine Anhänger in einen Zustand versetzt, in dem sie beliebig manipulierbar sind.

„Masks“, der in Zusammenarbeit mit der polnisch-deutschen Schauspielschule Redute Berlin und der Hasso von Hugo Maskenbildnerschule entstand, hatte vor einem Jahr seine Premiere beim Festival von Hof, erhielt bei weiteren Festivalaufführungen mehrere Preise und erlebt jetzt seine Berlin-Premiere. Für den im Cinemascope-Format gedrehten Film lohnt sich die große Leinwand.   

Text: Frank Arnold

Foto: Anolis Entertainment

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Masks“ im Kino in Berlin

Masks Deutschland 2011; Regie: Andreas Marschall; Darsteller: Susen Ermich (Stella), Julita Witt (Cecile), Magdalena Ritter (Roza Janowska), Norbert Losch (Matteusz Gdula); 110 Minuten; FSK k.A.; Berliner Premiere (mit Gästen): 30. September, Babylon (Mitte)

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