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Matt Damon in „Green Zone“ im Kino

Irak 2003. Die siegreiche amerikanische Armee richtet sich in Bagdad ein. Spezial- ­einheiten schwärmen aus auf der Suche nach dem Kriegsziel: Massenvernichtungs- waffen (Weapons of Mass De­struc­tion, WMD). Chief Roy Miller (Matt Damon) ist einer dieser Soldaten. Er begreift schnell, dass ihm die Vorgesetzten bis hinauf zum Präsidenten einen Bären aufgebunden haben. Und so macht er sich, als ihm ein junger Iraker namens „Freddie“ einen Tipp gibt, auf eigene Faust auf die Suche nach der Wahrheit.
In „Green Zone“ von Paul Greengrass finden die vielen Erzählungen, von denen der Irakkrieg umgeben wird, zusammen: das Versagen der Presse, die Arroganz der Neokonservativen, die Ignoranz der Politik. In der Form eines opulenten Actionkriegsfilms schreibt Paul Greengrass tatsächlich die Geschichte neu im Sinne einer verbindlichen Erzählung, die nach den Lügen der Bush-Jahre einen gemeinsamen Nenner bildet. Dass er dabei ganz konkrete Alternativen zur damaligen Vorgehens­weise der USA vorschlägt, ist durchaus mutig: Chief Roy Miller greift das Stichwort von einem „deal“ mit den Baathisten und der irakischen Armee auf (die von der Bush-Adminis­tration in die Opposition und in den Un­tergrund getrieben wurden).
Das ist ein Moment von Real­politik in einem Hollywood-Genre und wirft ein bezeichnendes Licht auf das Un­terfangen von Paul Greengrass. Er möchte in „Green Zone“ verschiedene Dinge zugleich machen – die Heldenlogik des Kriegsfilms nicht aufgeben und zugleich der Politik ihr Recht einräumen. Die meis­ten der amerikanischen Filme, die sich bisher auf den Irakkrieg eingelassen haben, haben entweder eine sehr eingeschränkte Perspektive gewählt (das extremste Beispiel ist sicher Kathryn Bigelows gerade mit sechs Oscars ausgezeichneter Bombenentschär­fer-Thriller „The Hurt Locker“), oder sie haben sich gleich auf die Heimatfront konzentriert (das bekannteste Beispiel dafür wäre „Im Tal von Elah“ von Paul Haggis oder der in wenigen Wochen in Deutschland startende „The Messenger“).
Mit „Green Zone“ versucht Paul Greengrass nun, den Blick zu weiten, ohne die klassische Ökonomie des Genre­kinos zu sprengen. Er muss deswegen glauben machen, dass ein relativ untergeordneter Soldat wie Roy Miller nicht nur Zugang findet zu den Foltergefängnissen der Amerikaner, er muss es auch überzeugend darstellen, dass dieser Roy Miller den größeren Überblick hat, dass er das „big picture“ sieht, in das er geraten ist. Matt Damon ist sicher nicht der schlechteste Schauspieler für diese Herausforderung, er strahlt Intelligenz und Physis zugleich aus und geht über die Stellen, an denen das Drehbuch von Brian Helgeland besonders kühne Übergänge findet, souverän hinweg.
Und so findet sich Roy Miller schließlich auf der Fährte eines hochrangigen irakischen Generals (ein General des Satans, wenn man Saddam Hussein als Satan bezeichnet), den er unbedingt vor der Verfolgung retten möchte, weil nur er ein taktisches Bündnis mit den amerikanischen Siegern in die Wege leiten könnte. Millers Gegenspieler ist ein Bürokrat aus dem Pentagon, Clark Poundstone (Greg Kinnear), der in jeder Hinsicht die Agenda der „Neocons“, der neokonservativen Falken in der Regierung von George W. Bush, vertritt. Poundstone will eine Demokratie errichten, die von Null beginnt, während Roy Miller unversehens zum pragmatischen „nation builder“ wird. Zwischen diesen beiden Kontrahenten stehen die Journalistin Lawrie Dayne (Amy Ryan), die zuvor die Manipulationen der US-Regierung einfach für bare Münze genommen hat und jetzt die zwiespältigste Figur des Films ist, und der CIA-Agent Martin Brown (Brendan Gleeson), der die Ehre der Geheimdienste hochhalten will und Miller mehrfach unterstützt.

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