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„Matterhorn“ im Kino

Das Kino Nordeuropas hat ein Faible für schrullige Provinz-Außenseiter, die auf ihre Weise die persönliche Befreiung erleben. In die Riege von Filmen wie „Abel“, „Kitchen Stories“ oder „Eldorado“ passt auch der Debütfilm des holländischen Schauspielers Diederik Ebbinge. In „Matterhorn“ malt er eine wortkarge Männerwelt aus, die nach mechanischen Ritualen funktioniert. Den Ausbruch daraus scheint der penible Witwer und fromme Kirchgänger Fred (Ton Kas) nicht im Sinn zu haben, bis ihm eines Tages ein verwahrlost wirkender Mann gleichen Alters über den Weg läuft. Dem Fremden mit dem Kindergemüt öffnet Fred sein Haus, bald spielen die beiden Männer Fußball im Vorgarten und reüssieren gar als skurriler Clowns-Act auf Kinderpartys: eine Wandlung, die in der spießigen Nachbarschaft gar nicht gut ankommt. Regisseur Ebbinge erzählt seine parabelhafte Geschichte mit lakonischem Witz, seine an Gemälde erinnernde Szenerie hält er in mausgrauer Fünfzigerjahre-Optik. An furchtlos schrägem Humor spart der Film nicht, nimmt dabei aber stets seine Figuren ernst. Der Schluss läuft auf ein überraschend ernstes Ende zu, mit berührender Schlüsselszene für das Credo bedingungsloser Liebe.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Pro-Fun Media

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Matterhorn“ im Kino in Berlin

Matterhorn?, Niederlande 2013; Regie: ?Diederik Ebbinge; Darsteller: Renй van‘t Hof (Theo), Ton Kas (Fred), Porgy Franssen (Kamps); 87 Minuten; FSK 6

Kinostart: 9. Januar

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