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Matthias Schweighöfer in „Friendship!“ im Kino

Trotz Bush-Ära und Post-9/11-Paranoia sind die USA für viele Europäer nach wie vor eine große Sehnsuchtsprojektions- fläche und der Reiseziel gewordene Traum von grenzenloser Freiheit. Den träumte auch Tom Zickler, lange bevor er später Filmproduzent (u.a. von Til Schweigers „Zweiohrküken„) wurde. Die Mauer war damals gerade gefallen, die Reisefreiheit da, und der junge Ostberliner schon kurze Zeit später mit seinem besten Kumpel Veit auf dem Weg quer über den Atlantik. Im Gepäck: Ein paar Bro­cken Englisch, ein Super-8-Projektor und nicht mal 55 Dollar. Das Ziel: erst in New York landen und sich dann transkontinental durchschlagen bis zum „westlichsten Punkt der Welt“, der Golden Gate Bridge.
Zwei Jahrzehnte später wurden Zicklers Reiseerinnerungen nun von Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg ausgeschmückt und der Ost-goes-West-Culture-Clash von Markus Goller als Roadmovie-Komödie verfilmt. Die Hälfte der Ereignisse in „Friend­ship!„, in dem die Ostjungs Freundschaftsturbulenzen erleben und sich mit Gay-Men-Strip-Einlagen oder Vorführungen ihrer eigenen DDR-Super-8-Heimatfilme über Wasser halten, sollen nach Zicklers Aussage wahr sein. Welche das sind, behält er jedoch für sich. Hinzuerfunden ist auf jeden Fall Veits Motivation für den Trip: Er will seinen Vater finden, der vor Jahren in den Westen verschwand, ihm aber zum Geburtstag immer wieder eine Postkarte aus San Francisco schickt.
Nicht zuletzt durch die beiden Hauptdarsteller, den blauäugig überschwänglichen Matthias Schweighöfer und den angenehm gebremsteren Friedrich Mücke, überträgt „Friendship!“ ein durchaus enthusiastisches Gefühl von jugendlichem Abenteuer und dem Hunger nach Freiheit. Das dabei entworfene Amerika-Bild wirkt jedoch oftmals so, als hätte es sich jemand ausgemalt, der in der Ferne von diesem Land träumt, aber selbst noch nie da war: Hier sieht man sie wieder, viele der bereits zu Tode gefilmten Impressionen, während die überwiegend großherzig hilfsbereiten Nebenfiguren oft direkt aus dem US-Ste­reo­typenfundus gegriffen scheinen. Unterhaltsam ist das über viele Coast-to-Coast-Kilometer trotzdem. Nur unter die breitenwirksame Feelgood-Oberfläche reicht „Friendship!“ so gut wie nie – und das wird dann am schmerzlichsten, wenn sich auf den letzten Metern plötzlich ein Stasi-Schatten über die Ereignisse legt.

Text: Sascha Rettig

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Friendship!“ im Kino in Berlin

Friendship!, Deutschland 2009; Regie: Markus Goller; Darsteller: Matthias Schweighöfer (Tom), Friedrich Mücke (Veit), Alicja Bachleda (Zoey); Farbe, 108 Minuten

Kinostart: 14. Januar

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