Kommentar

„Mega­mäßige Challenge“ von Lars Penning

Heute melde ich mich mit Neuigkeiten von einem Berufsstand, dem es ungefähr so ergeht wie den Dinosauriern: der Filmkritik.

Lars Penning

Jüngster Nagel im Sargdeckel: Laut Informationen des Verbandes der deutschen Filmkritik wird die Printausgabe der Zeitschrift „Filmdienst“ eingestellt. Deren Geldgeber ist die Katholische Kirche, welche die Mittel für die älteste deutsche Publikation, die sich in seriöser Weise mit Fragen von ­Filmästhetik und -geschichte auseinandersetzt, nun drastisch kürzt.
Aber, hey, eine gute Nachricht gibt es auch: Im Fernsehen wird ein neues Filmmagazin lanciert. Es läuft einmal im Monat im ZDF um 0.05 Uhr, wenn niemand mehr zusieht, heißt „Gätjens großes Kino“ und wird moderiert von Steven Gätjen, den einige Leser vielleicht noch von intellektuellen Herausforderungen wie der „TV total Stock Car Crash Challenge“ kennen.
Das große Defizit deutscher Filmkritik hat Gätjen ausgemacht: Sie hat eine Aversion gegen Unterhaltung. Die hat Gätjen definitiv nicht, und er verspricht: „Wir hauen niemanden in die Pfanne.“ Na dann ist ja alles gut. Ging auch gleich gut los die Sendung, wie Gätjen dem Zuschauer im ersten Satz eine megamäßige Menge an Mega­stars ankündigte und dann den Trailer von „Bridget Jones’ Baby“ einspielen ließ. Ja, so sieht fachkundige Auseinandersetzung mit Filmkultur aus. Wenn ich es mir recht überlege, ist 0.05 Uhr doch eine gute Sendezeit.

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