Dokumentarfilm

„Meister der Träume“ im Kino

Sie berichte schon so lange aus Afghanistan, sagt die vor allem als Radiojournalistin bekannte französische Regisseurin Sonia Kronlund in ihrem Dokumentarfilm „Meister der Träume“, und immer seien es nur schreckliche Dinge. Da habe sie einmal etwas Positives zeigen wollen.

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Das Positive heißt Salim Shaheen, ist ein stämmiger Gute-Laune-Bär um die 50 –und der produktivste Filmemacher seines Landes. Über 110 Filme hat er gedreht, meist sind gleich mehrere gleichzeitig in der Mache. Für westliche Augen handelt es sich dabei um totalen Trash: gedreht mit rudimentärem Equipment, ohne Geld – und ohne erkennbares Talent. Dafür sind Shaheen und seine loyalen Mitarbeiter mit ­Enthusiasmus bei der Sache und schaffen Filme von ­sagenhafter Authentizität.

Denn meistens ist Shaheen auch der Star seiner Filme. Ob als Superheld, Kriegskommandant oder im Bollywood-Stil singender und tanzender Liebhaber – konsequent verwirklicht er seine Träume.
Für Kronlund ist der Regisseur ein quicklebendiges Beispiel für den Widerstand gegen die reaktionär-religiösen Kräfte in seiner Heimat. Die Regisseurin begleitet Shaheen und sein Team bei Dreharbeiten, lässt sie aus ihrem Leben erzählen und vermittelt so einiges über die afghanische ­Gesellschaft. Neben Shaheen hat der Film dabei auch einen zweiten Star: den Schauspieler Qurban Ali, der seine offensichtliche Homosexualität quasi gesellschaftlich sanktioniert als Darsteller der Frauenrollen in Shaheens Filmen auslebt.

Nothingwood (OT) F/D 2017, 85 Min., R: Sonia Kronlund, Start: 3.5.

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