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„Menachem & Fred“ im Kino

Es zählt zu den Merkwürdigkeiten des Lebens, dass bei Brüdern der ältere immer der „große“ bleiben wird und der jüngere der „kleine“. Bei den alten Herren im Zentrum der Dokumentation „Menachem & Fred“ ist es nicht anders. Der Film begleitet die beiden bei ihrem ersten Wiedersehen nach rund sechzig Jahren Schweigen. Eine Zeit, in der beide – der eine in USA, der andere in Israel – den Schrecken ihrer Kindheit verdrängten: Als deutsche Juden wurden sie von den Nazis verschleppt und interniert; die Eltern starben in Auschwitz, die Söhne überlebten. Wie schmerzhaft die späte Konfrontation sein muss, wie quälend der Gedanke, einander im Stich gelassen zu haben, lässt der Film lebhaft nachfühlen; der Gang an traumatische Orte wirft ein Licht auf den Schutzreflex Verdrängung. Schade, dass der Film teils zu emotionalisierenden Kunstmitteln greift, wie verfremdeten Erzählstimmen und romantischer Musik. Der Schwere des Themas wäre konsequente Zurückhaltung vielleicht dienlicher gewesen.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Menachem & Fred“ im Kino in Berlin

Menachem & Fred, Israel/Deutschland 2008; Regie: Ofra Tevet, Ronit Kertsner; Farbe, 91 Minuten

Kinostart: 1. Oktober 2009

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