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Mexikanische Melodramen im Arsenal

La PerlaPuristen, die die Gattung des Melodrams als maßlos, überreizt und schematisch beargwöhnen, dürfen sich in diesem Monat nicht nur bei Max Ophüls im Zeughaus eines Besseren belehren lassen. Das mexikanische Melodram gibt zwar dem Genre, was so dazugehört, es reibt sich heftig an den vertrauten Motiven, dem Skandal der Liebe und den Vorurteilen der Gesellschaft. Zugleich aber ist es porös, es lässt Raum für mannigfache Subversion und Bizarrerien.
Emilio Fernбndez und Roberto Gavaldуn sind seine charismatischen Pole, zwischen denen es großen Facettenreichtum entfaltet. Voller Inbrunst unterläuft Fernбndez (im Bild: „La Perla“, 1945) traditionelle Geschlechterrollen und hebelt überholte Ehrbegriffe aus; Temperament schlägt bei ihm in Moral um.
Gavaldуn, der mit „Dнas de Otoсo“ 1962 eine Erzählung des geheimnisvollen B. Traven verfilmt hat, steht für eine rationalere Variante, verwurzelt die Anklage sozialer Ungerechtigkeit in psychologischem Tiefsinn.
Unverzichtbar für das Antlitz dieses Kinos ist die lyrische, kontrastreiche Kameraarbeit des großen Gabriel Figueroa, bei der die Landschaft Seele besitzt; selbst die urbane.

Text: GM

Mexikanische Melodramen, bis 28. Juli im Arsenal, www.arsenal-berlin.de

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