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Michael Winterbottoms „In This World“

In_This_WorldAuf den ersten Blick erscheint „In This World“ als ein Film, der die Anschläge vom 11. September und den Krieg gegen den Terror zum Anlass nimmt, um von den Folgen für die afghanische Bevölkerung nach den US-Bombardements zu erzählen. Doch dass diese Themen in Winterbottoms Flüchtlingsdrama reinspielen, ist nur ein zeitlicher Zufall.
Die Idee zu „In This World“ entstand bereits Ende der 90er, als in Großbritannien verstärkt Stimmung gegen Einwanderer gemacht wurde. Den letzten Impuls gab ein tragisches Unglück, das sich im Juni 2000 ereignete: 58 chinesische Frauen, Männer und Kinder starben bei dem Versuch, in einem Containerlastwagen nach Großbritannien zu gelangen. Europol schätzte damals, dass ungefähr 500.000 Menschen jährlich illegal in die Europäische Union einwandern.

Nicht nur Winterbottom arbeitete zu der Zeit an einem Film über Menschen, die in der EU ein besseres Leben suchen. Etwa zeitgleich entstanden Filme wie „Lichter“ von Hans-Christian Schmid, „Dirty Pretty Things“ von Stephen Frears oder „Lilja 4-ever“ von Lukas Moodysson. Unter ihnen ist „In This World“ der radikalste Film. Winterbottom gibt den Flüchtlingsgeschichten nicht nur ein Gesicht. Er formuliert auch eine klare Haltung zu der anhaltenden Selektion zwischen guten (politischen) und schlechten (wirtschaftlichen) Flüchtlingen. „In This World“ macht einfach kein Aufhebens darum, warum Jamal, Enayat oder andere nach Europa aufbrechen. Der Film stellt sich einfach auf ihre Seite.


Text: Volker Gunske


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