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Michelle Pfeiffer im Gespräch über ihren neuen Film „Chйri“

Michelle Pfeiffer in tip In „Chйri“ spielen Sie eine Frau in einer Beziehung mit einem nicht einmal halb so alten Mann. Was reizte Sie an der Rolle?
Michelle Pfeiffer Ich war mit Stephen Frears in all den Jahren nach „Gefährliche Liebschaften“ in sporadischem Kontakt, und wir hatten zwischenzeitlich verschiedene Projekte für eine neuerliche Zusam­men­arbeit im Auge. Mal scheiterte es am Timing, dann an der Finanzierung – doch bei „Chйri“ standen endlich alle Sterne günstig. Meine vornehmliche Motivation bestand darin, noch einmal mit Stephen drehen zu wollen, der ein ausgesprochen großzügiger Schauspieler-Regisseur ist und Vorschläge zulässt, statt nur seinen Willen durchzusetzen. Stephen ist stets charmant, schlurft über das Set wie Inspektor Columbo und tut so, als sei er verwirrt, obwohl ihm kein Detail entgeht. Darüber hinaus reizte mich, wie zeitgemäß und brisant der Stoff geblieben ist, obwohl die Vorlage von 1920 stammt. Ein eklatanter Altersunterschied bei Paaren ist in unserer Gesellschaft leider noch immer ein Tabuthema – und in der öffentlichen Meinung herrscht fraglos eine Doppelmoral, sobald der Mann wesentlich jünger ist.

tip Wie fühlten Sie sich in intimen Szenen mit Ihrem jungen Co-Star Rupert Friend?
Pfeiffer Es war ziemlich einschüchternd, weil er mein Sohn sein könnte (lacht). Doch Dienst ist Dienst – ich habe in meiner Karriere schon schwierige Szenen gespielt und zweifelte meine Entscheidung nie an, da ich glaube, dass der Film ein bisschen Pfeffer in die Debatte bringt und dann nicht alle Welt nur über die Liebhaber von Madonna spricht. Nein, unwohl war mir bei der Arbeit an „Chйri“ nur, da ich wusste, dass ich jetzt in Interviews genau über das Thema reden müss­te, das ich am meisten hasse.

tip Und das wäre?
Pfeiffer Als ob Sie das nicht wüss­ten (lacht). Aber bringen wir es hinter uns: Ich meine natürlich das Altern von Frauen in Hollywood …

tip Sie feierten während der Dreh­arbeiten zu „Chйri“ Ihren 50. Geburtstag …
Pfeiffer Genau, aber schon als ich die Rolle annahm, war mir klar: Es wird Zeit, mich diesem Datum offensiv zu stellen. Doch wie viele Dinge, denen man mit Bangen entgegensieht, war es dann in der Realität ein Nicht-Ereignis. Vorher zerbricht man sich monatelang den Kopf, welche Veränderungen jetzt auf einen zukommen, doch in der Realität ändert sich gar nichts! Ganz im Gegenteil fühlte es sich befreiend an. Wenn überhaupt, dann ist man nur dankbarer für die guten Dinge und liebsten Menschen im Leben.

tip Stellen Sie mit zunehmendem Alter ein nachlassendes Interesse Hollywoods fest?
Pfeiffer Das hängt davon ab, wie man seinen Status definiert. Ich habe mich schon immer wohler in Charakterrollen gefühlt und nie ein Geheimnis daraus gemacht, wie unangenehm mir der Starrummel ist. Es macht viel mehr Spaß, kleinere und pointierte Rollen in Filmen wie „Stardust“ oder „Hairspray“ zu spielen, als einen Film tragen zu müssen. Ich mag weniger Angebote bekommen – aber die durchschnittliche Qualität des Materials ist ungleich höher als in meinen Zwanzigern.

tip Eine Zeitlang waren Sie auch als Produzentin aktiv und generierten Ihre eigenen Projekte …
Pfeiffer Das musste ich leider aufgeben, als ich realisierte, dass man es dann zu neunzig Prozent mit Geschäftsmännern zu tun hat. Ich tauge einfach nicht für Business-Meetings. Das Suchen nach guten Büchern und die Arbeit mit Autoren waren wunderbar. Doch letztlich investiert man so viel Zeit in Dis­kussionen über Geld, dass es die Liebe zur Geschichte erstickt, die man erzählen möchte. Mir fällt es schon schwer genug, vor die Kamera zu treten – da muss ich nicht auch noch die Verantwortung als Produzentin auf den Schultern tragen.

tip Was meinen Sie, wenn Sie sagen, dass Ihnen der Gang vor die Kamera schwer fällt?
Pfeiffer Ob Sie es glauben oder nicht: Ich bin unglaublich schüchtern und hasse es, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Ich weiß, das ist in einem so öffentlich­keitswirksamen Beruf nicht die bes­te Voraussetzung, doch nachdem ich dieses Lampenfieber in dreißig Jahren Schauspielerei nicht abgelegt habe, rechne ich auch nicht mehr damit. Am liebsten würde ich Filme allein in meinem Wohnzimmer drehen (lacht).

tip Hat sich im Laufe der Zeit nicht eine gewisse Routine eingestellt? Immerhin haben manche Ihrer Arbeiten einen festen Platz in der Filmgeschichte.
Pfeiffer Das sagen Sie! Ich sehe nur zu, dass ich schnell umschalte, sobald ich zufällig im Fernsehen auf einen meiner Filme stoße – ich sehe doch nur die Fehler. Und auch ein Begriff wie Filmgeschichte liegt allein im Auge des Betrachters. Mich hat es zeitlebens verwirrt, dass genau die Performances verrissen wurden, auf die ich stolz war, und es umgekehrt Lob für Rollen gab, von denen ich sicher war, ihnen nicht gerecht geworden zu sein.

Lesen Sie das vollständige Interview in tip 18/09 auf den Seiten 40-41.

Interview: Roland Huschke

Lesen Sie hier: „Chйri“ mit Michelle Pfeiffer im Kino

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