Kino & Stream

Mikrobudget

Bert Rebhandl

Neulich saß ich für eine starke Viertelstunde einem sehr alerten Amerikaner gegenüber, der sein Geld mit Horrorfilmen verdient. Jason Blum hatte einen Durch?bruch, als er den am Geschäftlichen nur am Rande interessierten Oren Peli dazu überredete, den Film „Paranormal Activity“ sorgfältig im Kino auszuwerten. Das Ergebnis ist bekannt: Produktionskosten im fünfstelligen Bereich ergaben Profite mit neun Ziffern.
Manch einer hätte danach vielleicht ein wenig abgehoben, doch Jason Blum steckte seinen Anteil in relativ kleine Filme, zum Beispiel in „The Purge: Anarchy“, der in ein paar Wochen auch in Deutschland herauskommt. ?Kein Meisterwerk, aber mit seiner Mikrobudget-Strategie sehr von Interesse.
Denn Hollywood plagt sich ja mit dem Problem ab, dass im Blockbuster-Segment die Kosten weiter explodieren. ?Und damit steigt auch das Risiko gröberer Misserfolge.
Mit Geschäftsmodellen wie dem von Jason Blum kehrt nun inzwischen die Logik des klassischen Hollywood zurück: viele Filme, die einander durchaus ähneln, die aber im Detail mit Witz und Unverfrorenheit überzeugen können. Jedenfalls in den besseren Fällen. Zum Glück funktioniert dieses Prinzip „poverty row“ ?(so nannte man früher die Billigstudios) nicht nur mit Horror, sondern auch mit Komödien. Zum Ausgleich für die gefinkelten Furchtbarkeiten von „Insidious“ ist das auch dringend nötig, aber schwieriger herzustellen…

Text: Bert Rebhandl

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