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Mikrokinos in Berlin

Mikrokinos in BerlinAuch Tom, der den Filmsonntag in der Zyankali Bar in der Großbeerenstraße organisiert, sieht sein Programm „in der Tradition der Off-Kinos der 80er“.  Dass ausgerechnet die lange Pippi-Langstrumpf-Nacht einer der größten Zyankali-Erfolge wurde, steht dazu in keinem Widerspruch –  Independent war schon in den 80ern ein weites Feld.
Dem Grindhouse Cinema mit Exploitation, B- und C-Movies widmet man sich im Z-inema, dem Kino der Z-Bar in Mitte. Auch hier werden Filme gezeigt, die vor Jahren (wenn überhaupt) in der Spätschiene der Programmkinos zu finden waren. Die können sich solche Vorlieben oft nicht mehr leisten. Konkurrenz gibt es hier in der Regel keine: Mikrokinos erweitern die ohnehin schon breite und abwechslungsreiche Film- und Kinokultur der Stadt, den Programmkinos nehmen sie dabei kein Geschäft weg, auch wenn
etwa das in der Schliemanstraße angesiedelte Downstairs-Kino im Filmcafй heute auch sein Publikum im Arthouse-Bereich sucht.
Zu den Urahnen der Berliner Mikrokinoszene gehört das Re­gen­bogenkino. 1981 in einem besetzten Fabrikgebäude gegründet, hält das Betreiberkollektiv es heute noch so wie vor 28 Jahren: Gezeigt wird, was Kinomachern und Publikum wichtig ist, Dokumentarfilme, kleine Werkschauen, Klassiker und auch an ein Kinderprogramm wurde gedacht. Der politische Anspruch der Kreuzberger ist ungebrochen, selbstverständlich wird bei politischen Themen auf den Eintritt verzichtet, es geht um die Sache.
Mikrokinos in BerlinDer Boom der Mikrokinos in Berlin wirft ein Licht auf die Vielfalt der Wünsche und Vorlieben, die der herkömmliche Kinobetrieb längst nicht mehr immer stillen kann. Es gibt eine Sehnsucht nach dem ganz Anderen, nach kleinen, unangepassten Filmen. Programmkinos wie z. B. das Eiszeit, Lichtblick oder Central folgen ihr Woche für Woche, aber neben ihnen sind es die Mikrokinos, in denen sich eine oft anarchische Energie erhalten hat, die in den 70er Jahren die Programmkinos erst hervorbrachte und damals den Grundstein für eine neue Kinokultur legte. Das technisch hochgerüstete Kino mit Dolbysound, digitaler Technik und aufwendiger Ausstattung ist nicht das einzige Maß der Dinge. Im White Trash träumt Andreas Döhler einen ganz anderen Kinotraum. „Also, ich fänd’ es irgendwie schön, wenn das hier so eine Art CBGB des Underground-Films in Berlin werden könnte.“ Der legendäre Punkclub aus New York ist kein schlechtes Vorbild für die Rolle, die die Mikrokinos in der Berliner Kinokultur noch spielen könnten.

Text: Nicolaus Schröder

Foto oben: Jens Berger/tip

Foto unten: Judith Tirebel/tip

Downstairs-Kino im Filmcafй, Schliemannstraße 15, Prenzlauer Berg, täglich

Eiffelturm-Kino im Centre Français de Berlin, Müllerstraße 74, Wedding, Programmwiederholungen des Globians Doc Fests jeden zweiten Mittwoch bis 9. Dezember. Nächster Termin: Mi 28.10., www.globians.com

Kino & Cafй am Ufer, Uferstraße 12, Wedding, jeweils Mi bis So

Regenbogenkino, Lausitzer Straße 22, Kreuzberg, jeweils Fr bis Mo

Smoking Cinema @ White Trash Fast Food, Schönhauser Allee 6-7, Prenzlauer Berg, 25.-28.10., 20.30 Uhr: „The Decline of Western Civilisation Pt. 1“ & „What We Do Is Secret“

Z-inema, Bergstraße 2, Mitte, jeweils So, 21 Uhr

Zyankali, Großbeerenstraße 64, Kreuzberg, jeweils So ab 20.30 Uhr

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