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„Miss Kicki“ im Kino

Miss Kicki

Dass die Mittfünfzigerin Kicki nicht am Ziel ihrer Träume angelangt ist, macht der Blick in die enge Wohnung der Schwedin deutlich. Leere Pizzakartons entsorgt sie vor dem Geburtstagsbesuch der Mutter hastig, Rotwein lagert im Billigkanister über dem E-Herd. Einziger Lichtblick in der Single-Tristesse ist ihr Internet-Flirt mit einem Geschäftsmann aus Taipeh. Dorthin bricht sie spontan auf, im Schlepptau hat sie ihren schüchternen Sohn, der – aufgewachsen bei der Oma – seine Mutter kaum kennt. Das billige Hotel, in dem das Duo am Ziel eincheckt, erinnert an die melancholischen Herbergen, in denen auch Wim Wenders’ verlorene Figuren absteigen würden. Vorgeschichten deutet der schwedisch-taiwanesische Regisseur Hеkon Liu nur an, offen bleibt auch das Ende des Selbstfindungstrips, den Mutter und Sohn zunächst auf getrennten Pfaden unternehmen. Etwas komprimiert wirkt die Geschichte, dennoch entfaltet der Film eine eindrückliche Stimmung. Taipeh erscheint als genau beobachteter Ort der inneren Unruhe. Warm und lebendig wirken auch die Figuren um Pernilla August als sonderbar anrührende „Rabenmutter“.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Barnsteiner Film

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Miss Kicki“ im Kino in Berlin

Miss Kicki (Dreaming the Dream), Schweden/Taiwan 2009; Regie: Hеkon Liu; Darsteller: Pernilla August (Miss Kicki), Ludwig Palmell (Viktor), He River Huang (Didi); 88 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 26. Juli 

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