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„Mission Impossible: Phantom Protokoll“ im Kino

Mission Impossible: Phantom Protokoll

Fünf Jahre nach dem dritten Teil stürzt sich Tom Cruise in „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ nun zum vierten Mal als Spezial-Agent Ethan Hunt in scheinbar unlösbare Abenteuer. Auslöser ist eine gewaltige Explosion mitten im Kreml, der die USA und Russland in längst vergangen geglaubte Zeiten zurückfallen lässt und die Welt an den Rand eines atomaren Krieges führt. Das Problem bei der Sache: Hunt selbst wird für den Bomben-Anschlag verantwortlich gemacht, woraufhin der US-Präsident das titelgebende „Phantom-Protokoll“ auslöst und die Existenz der „Impossible Mission Force“ fortan verleugnet. Auf der Jagd nach dem wahren Bösewichtes muss sich der Agent also allein auf die Hilfe seines kleinen Teams verlassen.
Mission Impossible: Phantom ProtokollIn diesem Team aus kauzigem Computer-Freak, umwerfend schöner und doch kampferprobter Weiblichkeit, sowie undurchsichtigem Innendienstler besteht dann jedoch auch schon der einzige Unterschied zu den bisherigen High-Tech-Missionen, in denen Cruise stets den unbesiegbaren Einzelgänger verkörperte. Ansonsten regiert Gewohntes: Schauplätze rund um die Welt, eine holde Schönheit, die den notgeilen Helfer des Bösewichts in minutenschnelle um den kleinen Finger wickelt, sowie ausgefallene Sondermodelle einer durch Produktplacement stets bestens ins Bild gesetzten Automobilfirma aus München, die so wohl leider nie in Serie gehen werden. Auch Apple dürfte sich nach Filmstart nicht über mangelndes Interesse an iPhone und iPad beschweren können – auch, wenn niemand ernsthaft erwarten dürfte, die Apps, die Tom Cruise auf seinem Telefon hat, auch im Apple-Store zu finden. Alles in allem nette Spielereien, die ironisch gebrochen auch durchaus das ein oder andere Schmunzeln ins Gesicht zaubern, die man jedoch auch in Filmen der englischen Variante eines Superagenten mindestens auf gleichem Niveau schon unzählige Male gesehen hat.
Hinzu kommt ein alternder Superstar, dem man, sobald er seinen freien Oberkörper zeigt, trotz scheinbar ausweglosester Situationen zu aller erst zurufen möchte: „Mensch, zieh‘ Dir doch erst einmal was über.“ Und auch in Sachen Charme kann Cruise seinem Gentlemen-Kollegen mit der Doppel-Null nicht einmal annähernd das Wasser reichen. Wo Bond nicht nur die Frauen betört und dadurch mitunter unnötig in Gefahr gerät, sondern sich vor dem großen Showdown auch immer mal wieder auf ein psychologisches Spielchen mit seinem Widersacher einlässt, da kennt Cruise (als Hauptdarsteller und Produzent) nur die Hau-Drauf-Methode und einen Spannungsbogen, der zwischen den einzelnen Action-Sequenzen derart platt gedrückt wird, dass man ihn auch gleich weglassen könnte.
Bleibt also am Ende die Action, für die Regisseur und Oscar-Preisträger Brad Bird (The Incredibles, Ratatouille) in seinem Realfilmdebüt durchaus ein sicheres Händchen in Sachen Timing zeigt. Auch mag das auf den ersten Blick zum Teil spektakulär anzusehen sein, wenn Tom Cruise in windiger Höhe mit Spezialhandschuhen wie ein Gecko die Glasfassade eines Luxus-Hotels hochklettert oder ohne jede Sicht mitten in einem verheerenden Sandsturm einen Vollgas-Frontal-Crash verursacht. Auf den zweiten Blick kann der Regisseur seine künstlerische Herkunft dann allerdings doch nicht ganz verbergen, wirken so manche Katastrophen bei aller Liebe zum Detail am Ende doch auch zu oft sichtbar am Computer animiert.

Text: Martin Zeising

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Mission Impossible: Phantom Protokoll“ im Kino in Berlin

Mission Impossible: Phantom Protokoll (Mission Impossible:Ghost Protocoll), USA 2011; Regie: Brad Bird; Darsteller: Tom Cruise (Ethan Hunt), Paula Patton (Jane), Simon Pegg (Benji), Jeremy Retter (Brandt); 133 Minuten

Kinostart: 15. Dezember 2011

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