Kino & Stream

Mit Schirme, Charme und Melone

Mit Schirm, Charme und MeloneDie beiden Geheimagenten der britischen TV-Serie „The Avengers„, lösten ihre die nationale Sicherheit bedrohenden Fälle stets „Mit Schirm, Charme und Melone„, wie es in Deutschland so schön hieß.
Tatsächlich war die Sendereihe, in der die Karateexpertin Mrs. Peel seit 1965 Handkantenschläge verteilte, bereits 1961 erstmals über den britischen Äther gegangen, seinerzeit allerdings noch als Live-TV. An der Seite von Patrick Macnee in der Rolle des mysteriösen Geheimagenten John Steed spielte zunächst Ian Hendry, der als Arzt und Amateurspion den Tod seiner Familie rächte (deshalb „The Avengers“), später dann Honor Blackman, die eine Judospezialistin namens Cathy Gale verkörperte. Mit dem Paar Macnee/Blackman hatte man die eigentliche Erfolgsformel entdeckt: spannende und zugleich amüsante Abenteuer, eine nie ausgesprochene, jedoch unterschwellig vorhandene erotische Anziehung zwischen den Hauptfiguren, sowie ein unbedingter Wille zum Stil. Avengers-Mode wurde zum Trend.
Mit der äußerst selbstbewusst auftretenden Theaterschauspielerin Diana Rigg als Blackman-Ersatz und den erstmals auf Filmmaterial gedrehten Folgen der Jahre 1965-67 erlebte die Serie dann ihre ganz große Zeit: Macnee und Rigg ergänzten sich in ihrer ironischen Art vortrefflich; zudem erreichten Inszenierung, Ausstattung und Kameraarbeit der einzelnen Folgen oftmals Spielfilmniveau. Überdies wurden die Abenteuer der beiden Agenten immer absurder und amüsanter – plötzlich gab es U-Boote im Burggraben, Atombomben im Kaufhaus und Leute, die mitten auf einem Feld ertranken.
Als Diana Rigg die Serie 1967 verließ, konnte man sich um die Qualität künftiger Folgen natürlich sorgen, doch auch ihre Nachfolgerin, die junge kanadische Schauspielerin Linda Thorson, machte in ihrer Rolle als noch etwas naive Spionageanfängerin Tara King zweifellos eine gute Figur. Negativ wirkte sich da eher die Einführung einer Figur namens Mutter aus, eines dicken, im Rollstuhl sitzenden Geheimdienstchefs, der den beiden Agenten von nun an immer ihre Einsätze erklärte. Das sollte lustig sein, wirkte aber nur unelegant – irgendwie stillos. Trotzdem ist es schön, all dies nun erstmals in Deutschland auch auf DVD (wieder)sehen zu können – vor allem endlich in der britischen Originalfassung und mit den charmanten Erinnerungen von Linda Thorson als Bonus.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Sehenswert

The Avengers“ Großbritannien 1965-1969;

Edition 1 (8 DVDs) 26 Folgen, insgesamt 1284 Minuten. Extras: u.a. deutscher Vorspann, geschnittene Szenen, Fotogalerie.

Edition 2 (9 DVDs) 24 Folgen, insgesamt 1182 Minuten. Extras: u.a. Einführungen von Oliver Kalkofe und Wolfgang Bahro, Interview von Joachim Fuchsberger mit Diana Rigg und Patrick Macnee, Trailer.

Edition 3 (Teil 1) (6 DVDs), 17 Folgen, insgesamt 847 Minuten. Extras: u.a. Audiokommentar von Produzent Brian Clemens und Regisseur Roy Ward Baker, Einführung von Linda Thorson

Edition 3 (Teil 2) (6 DVDs), 16 Folgen, insgesamt 801 Minuten: Extras: u.a. Town Girl – Interview mit Linda Thorson, A Retrospective Document – Ein Rückblick auf „The Avengers“ mit Patrick Macnee; Einführungen von Linda Thorson.

Erschienen bei Kinowelt

Mehr über Cookies erfahren