Coming of Age

„Mit Siebzehn“ im Kino

Zwischenmenschlich – „Mit Siebzehn“, da spielen mitunter die ­Hormone verrückt

Foto: Luc Roux / Koolfilm

Es hätte abgeschmackt oder anmaßend werden können: Ein über 70-jähriger Regisseur dreht einen Film, der versucht, die Befindlichkeiten moderner 17-Jähriger auf den Punkt zu bringen. Im Zentrum: Damien, Sohn gutbürgerlicher Eltern, und Thomas, der bei Adoptiv­eltern lebt und zudem durch seine maghrebinische Herkunft ein Außenseiter ist. Damiens Mutter Marianne (Sandrine Kiberlain), eine Landärztin, lädt Thomas in ihr Haus ein, und so muss sich Damien mit einer Art Halbbruder herumschlagen.
Die Situation wird durch eine wachsende Anziehung der beiden Jungs nicht einfacher, die sich zwar anfangs, den Konventionen und besonders ihrem Alter entsprechend, dagegen wehren, ihre ersten sexuellen ­Erfahrungen mit einem Mann zu machen, doch dann der Natur freien Lauf lassen.
„Mit Siebzehn“ wirkt sehr stimmig. Zum einen dank des Drehbuchs von Céline Sciamma, die vor allem mit ihrem Film „Girlhood“ bewiesen hat, wie genau sie die Befindlichkeiten junger Menschen zu zeigen versteht. Zum anderen dank der hervorragenden jungen Darsteller, weitestgehend Unbekannte; und natürlich dank André Téchiné. Ähnlich wie zu seiner Zeit Claude Sautet ist auch Téchiné nie zu den ganz berühmten französischen Regisseuren geworden, was eigentlich nur durch die Wahl seiner ­Sujets zu erklären ist. Denn nicht um das Bedeutsame geht es bei ihm, sondern um Zwischenmenschliches, um Beziehungen, um die Liebe.

Quand on a 17 ans (OT) F 2016, 116 Min., R: André Téchiné, D: Sandrine Kiberlain, Kacey Mottet Klein, Corentin Fila, Start: 16.3

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