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„Mondo Lux – Die Bilderwelten des Werner Schroeter“ im Kino

Mondo_LuxAls Kamerafrau hat Elfi Mikesch fünf Filme von Werner Schroeter fotografiert, darunter „Malina“ (1990) nach Elfriede Jelinek, „Der Rosenkönig“ (1986) und „Palermo oder Wolfsburg“ (1980). Der Opulenz seiner Inszenierung begegnete Mikesch in diesen Filmen mit einer fast dokumentarischen Kamera, mit Einstellungen, die Rahmen setzten und Tableaus für großartige Schauspieler ermöglichten. Mit derselben uneitlen Neugierde folgt sie in „Mondo Lux“ noch einmal diesem großen Regisseur, der erst über seine Verehrung im Ausland auch in Deutschland wirklich wahrgenommen wurde.

Wenn die Kamerafrau Elfi Mikesch Werner Schroeter bei der Arbeit beobachtet, steht sie mit ihrer Kamera leicht hinter ihm. Sie sucht keinen Kontakt, keine Kommunikation. Bei den Proben zu Schroeters „Antigone // Electra“-Inszenierung 2009 für die Volksbühne, bei Synchronarbeiten oder am Kontrollmonitor folgt sie ihm wie ein Schatten. In diesen Augenblicken erreicht Mikeschs Dokumentation über den im vergangenen Jahr verstorbenen Bühnen- und Filmregisseur ihre größte Intensität. Hier ist die Konzentration, mit der dieser kurz vor seinem Tod so zerbrechlich wirkende Regisseur seinen Schauspielern zuhört, nicht nur zu sehen, hier spürt man die Spannung, mit der er dem gesprochenen Wort folgt. Den Aktionen der Schauspieler scheint er nur flüchtig zu folgen. Doch der Eindruck täuscht, denn bald wird klar, dass Schroeter seine Bildwelten tatsächlich aus dem Text entwickelte – der Text als das eigentliche Kraftzentrum der Arbeit. Wenn Wim Wenders im Film feststellt, dass Schroeter an der Geste und nicht an der Geschichte interessiert war, ist das kein Widerspruch, denn die Energie der Sätze ist es, die Schroeter vorantrieb, und nicht der Plot, dem sie dienen.

Dass aus Elfi Mikeschs Film kein hymnischer Nachruf, sondern eine hellsichtige Hommage wurde, hängt nicht nur mit solchen Beobachtungen, sondern auch mit den Freunden und Kollegen zusammen, die schlau, charmant, manchmal eitel und immer sehr plastisch von Werner Schroeter und seiner Art zu leben und zu arbeiten erzählen. Auf der diesjährigen Berlinale wurde „Mondo Lux“ mit dem Teddy-Award ausgezeichnet.     

Text: Nicolaus Schröder

Foto: Thomas Aurin

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Mondo Lux“ im Kino in Berlin

Mondo Lux – Die Bilderwelten des Werner Schroeter Deutschland 2011; Regie: Elfi Mikesch; 97 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 7. April

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