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„Monga – Gangs of Taipeh“ im Kino

Monga - Gangs of Taipeh

Das taiwanesische Kino hatte immer schon ein Faible für Geschichten mit jugendlichen Halbstarken. Das hat vielleicht damit zu tun, dass das Land selbst noch kaum erwachsen ist, nach der Trennung von China und der späteren Überwindung der Diktatur.
In „Monga – Gangs of Taipeh“ von Doze Niu Chen-zer wendet sich der Blick zurück in die 1980er-Jahre, in eine idealisierte Welt, in der das organisierte Verbrechen als eine integrative Kraft in der Gesellschaft gesehen wird (nicht unähnlich dem harmlosen Paten in „Au Revoir Taipeh“). Der Junge mit dem Rufnamen „Mosquito“ ist in der Schule ein Außenseiter, es gelingt ihm aber, den Respekt einer Gruppe von jungen Männern zu erlangen, die schon auf ihre künftigen Aufgaben in den kriminellen Organisationen vorbereitet werden. Er schließt Freundschaft, sitzt mit ihnen bei Tisch, er geht mit ihnen ins Bordell, wo er aber mit dem Mädchen Ning keinen Sex hat, sondern nur ein wenig Musik hört.
Mosquito ist ein distanzierter und auch schüchterner Typ, und damit die ideale Identifikationsfigur in einem Film, der ganz auf starke Effekte setzt. Das beginnt schon bei den Farben, die so wirken, als wäre das alles eher ein Cartoon als ein klassischer Gangsterfilm, und setzt sich bei der Zeichnung der Figuren fort: Sie gewinnen nur wenig Konturen, denn sie sind allesamt schon stark auf ihre Funktion in der Gruppe hin reduziert. Neben Mosquito fällt allenfalls noch Monk ein wenig auf, er hat das Zeug zu einem künftigen Boss.
Dass es damit nicht so ohne Weiteres etwas wird, hat mit der Handlung von „Monga – Gangs of Taipeh“ zu tun, die auf einen Territorialkonflikt hinausläuft: In der taiwanesischen Hauptstadt machen sich nämlich zunehmend Zellen vom Festland breit, durch die das romantisierte Leben der einheimischen Unterwelt brutal gestört wird. Doze Niu Chen-zer macht dies an der Wahl der Waffen fest, den klassischen Martial-Arts-Kompetenzen stehen die schnöden Feuerwaffen gegenüber. Und so nehmen die Fehden ihren Lauf, in einem Film, der es sich mit seiner Zitat­ästhetik und seinem Männerethos dann doch insgesamt ein wenig zu leicht macht.

Text: Bert Rebhandl

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Monga – Gangs of Taipeh“ im Kino in Berlin

Monga – Gangs of Taipeh, Taiwan 2010; Regie: Doze Niu Chen-zer; Darsteller: Mark Chao (Mosquito), Ethan Ruan (Monk), Rhydian Vaughan (Dragon); 140 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 9. Dezember

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