Kriminalfilm

„Mord im Orient Express“ im Kino

Im Grunde sind die Kriminalromane der britischen Schriftstellerin Agatha Christie als Filmvorlagen komplett untauglich. Denn sie enthalten so ziemlich alles, was einen Film unerträglich langweilig macht: abgeschlossene Tatorte, Verdächtige mit tollen Alibis, schier endlose Befragungen sowie kaum nachvollziehbare Geistesblitze eines genialen Detektivs

2017 Twentieth Century Fox

Auf den ersten Blick scheint sich auch Kenneth Branaghs Neuverfilmung von „Mord im Orient-Express“ nicht wesentlich von vorangegangenen Filmen um die Fälle des belgischen Detektivs Hercule Poirot zu unterscheiden: Mit Michelle Pfeiffer, Judi Dench, Willem Dafoe, Penélope Cruz und Derek Jacobi besteigt einmal mehr eine illustre Schar Stars den Zug, wo die erwartet langwierigen Vernehmungen ihren Lauf nehmen, als ein dubioser Geschäftsmann (Johnny Depp) erstochen aufgefunden wird. Allerdings können die Stars in ihren Vignetten kaum glänzen. Denn sie alle verblassen neben dem überlebensgroßen Poirot, den Branagh mit breitem Schnurrbart und noch breiterem Ego porträtiert.

Ein Aspekt macht den Film aber doch interessant: Je weiter die Handlung voranschreitet, umso mehr bekommt man das Gefühl, dass sich hier niemand wirklich für die Detektion als solche interessiert. Ein Film zum Mitraten ist „Mord im Orient-Express“ nicht. Sondern ein Drama über die Auswirkungen tragischer Ereignisse auf den Gemütszustand des selbstzufriedenen Detektivs, der sich zusehends aus der Balance gebracht sieht.

Murder on the Orient Express Malta/USA 2017, 114 Min., R: Kenneth Branagh, D: Kenneth Branagh, Michelle Pfeiffer, Johnny Depp, Willem Dafoe, Penélope Cruz. Kinostart: 9. November

 

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